„Gelebte Tradition“ – ein Symposium ganz im Zeichen des Immateriellen Kulturerbes

Foto: Sonja Hülsebus

Es muss nicht immer eine große, internationale Konferenz im Ausland sein. Zahlreiche interessante Symposien und andere Veranstaltungen finden jährlich deutschlandweit statt, während denen man die Chance nutzen kann, sich weiterzubilden, auszutauschen oder den Stand der eigenen Forschung vorzustellen. Das Symposium „Gelebte Tradition. Die Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes“, das am 9. September im Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) stattfand, bot ein Forum für Kulturbegeisterte, die sich mit der Frage nach dem Erhalt Immateriellen Kulturerbes beschäftigen.

Foto: Sonja Hülsebus

Zahlreiche Experten aus Deutschland und Japan waren geladen, Vorträge zu halten und an den Diskussionen teilzunehmen. Die Teilnahme für alle Interessierten war dabei kostenlos, was angesichts des Aufwands, mit dem das Symposium organisiert wurde, zumindest erwähnenswert ist. Denn es wurden nicht nur Konferenzmappen an alle Teilnehmer verteilt, sondern auch zum Mittagessen geladen. Außerdem setzten zwei Konferenzdolmetscherinnen ihr ganzes Können ein, die Vor- und Beiträge simultan zu übersetzen.

Das war nicht immer ganz einfach bei der Fülle an Fachvokabular, das rund um das Thema Immaterielles Kulturerbe gebraucht wird. Einige Redner waren sich dessen durchaus bewusst, weshalb sie versuchten, Kompliziertes möglichst gut verständlich zu formulieren. Besonders Prof. Schneider von der Stiftung Universität Hildesheim gelang dies, während er selbst vortrug und die Podiumsdiskussionen moderierte.

Das Thema Immaterielles Kulturerbe wird aus vielen verschiedenen Disziplinen erforscht, was hier nicht nur an der sehr gemischten Teilnehmerliste, sondern vor allem an den Fachbereichen der Vortragenden erkennbar war. Museumsmanagement, Kulturwissenschaft, Soziologie, Politik- und Medienwissenschaft waren nur einige Wissenschaftsbereiche der anwesenden Experten.

Doch was genau ist dieses Immaterielle Kulturerbe eigentlich? Am einfachsten lässt sich dieser Begriff in Abgrenzung zum materiellen Kulturerbe erklären. Dazu gehört beispielsweise alles, was bei der UNESCO als Weltkulturerbe gelistet ist. In den meisten Fällen sind dies Monumente oder Kunstwerke, die einen sogenannten Outstanding Universal Value (OUV – besonderer universeller Wert) haben. Im Gegensatz dazu sind mit dem Begriff „Immaterielles Kulturerbe“ kulturelle Bräuche etc. gemeint. Einen Großteil der gelisteten Kulturerben machen Tänze und andere Darstellende Künste aus. Sehr viele traditionelle Bühnenkünste befinden sich beispielsweise auf der Liste japanischer Immaterieller Kulturerben. Aber auch Kunsthandwerk und Traditionen, die nichts mit Kunst zu tun haben, können zum immateriellen Kulturerbe ernannt werden. Auf der deutschen Liste, die zurzeit nur zwei Einträge umfasst, ist folgender Eintrag zu finden: „Idea and practice of organizing shared interests in cooperatives“ – oder auf Deutsch: „die Genossenschaftsidee und -praxis“.

Foto: Sonja Hülsebus

Immaterielles Kulturerbe ist also sehr vielfältig. Doch besonders alte Kunstformen und -handwerke, wie etwa der Instrumentenbau der japanischen Laute Biwa, stehen dem Problem gegenüber, erhalten zu werden. Denn Nachwuchs in den entsprechenden Bereichen ist schwer zu finden. In ganz Japan gibt es nur noch einen einzigen Instrumentenbauer, der die Biwa in Handarbeit herstellen kann. Wissenschaftler aus einigen der oben genannten Fachbereiche stehen folglich vor der Herausforderung, Lösungen für den Erhalt verschiedener Immaterieller Kulturerben zu finden. Eine Möglichkeit ist eine sehr detaillierte Dokumentation der Arbeiten. Die Kunsthandwerker erklären also vor laufender Kamera, welches Werkzeug wofür eingesetzt wird, während der gesamte Entstehungsprozess – in diesem Falle – einer Biwa filmisch festgehalten wird. Doch lassen sich Handwerkskünste auf diese Art und Weise wirklich erhalten? Kann man anhand des Videomaterials das Handwerk eines Biwa-Bauers erlernen?

Einen weiteren Lösungsansatz liefern Museen, die versuchen, beispielsweise in Form von Workshops traditionelle Handwerkskünste an jüngere Generationen zu vermitteln. Während die Möglichkeiten des Erhalts immer vom jeweiligen Handwerk oder der jeweiligen Kunstform abhängt, sind beide hier vorgestellten Methoden keine endgültigen Lösungen. Vielmehr handelt es sich hier um erste Lösungsansätze, für deren Weiterentwicklung auch Symposien hilfreich sein können. Wissenschaft lebt nämlich zu einem Großteil sowohl vom Austausch untereinander als auch von der Kooperation miteinander.

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