Räucherwerk in Japan

Räucherwerk kam wahrscheinlich zusammen mit dem Buddhismus im 6. Jahrhundert nach Japan, genauso wie das Blumenstecken. Doch schon bald wurde Räucherwerk nicht nur im religiösen Bereich zur Kommunikation mit dem Numinosen benutzt, sondern erfreute sich besonderer Beliebtheit beim Hofadel zur Beduftung von Räumen und Kleidern. Im Shôsôin in Nara, der Schatzkammer von Kaiser Shômu (701-56), befinden sich neben buddhistischen Räuchergefäßen auch solche für den alltäglichen Gebrauch. Die Abbildung zeigt ein solches Gefäß aus Silber. Im Inneren sind Gelenke angebracht, welche die Pfanne mit dem Räucherwerk in der Horizontalen halten, selbst wenn das Gefäß umfällt.

Foto: Imperial Agency, Shosoin Collection, Nara

Abb. 1: Silbernes Räuchergefäß im Shôsôin (Nara-Zeit)

Duft für Kleider und Räume

Das Beräuchern von Kleidern war besonders in der Heian-Zeit (794-1185) von Bedeutung, als individuelle Düfte kreiert wurden, die den Träger unverwechselbar identifizierten. Selbst wenn dieser den Raum verlassen hatte, blieb der individuelle Duft noch einige Zeit dort zurück. Das hierzu verwendete Räucherwerk bestand aus verschiedenen Zutaten, die mit dem Fruchtfleisch von Pflaumen, Muschelkalk und Kohlestaub vermischt und haltbar gemacht wurden. Die so entstandenen schwarzen Kugeln, nerikô 練香 genannt, wurden in einem Gefäß erhitzt, das man unter ein Kleidergestell legte.

Foto: Dr. Chantal Weber

Abb. 2: nerikô

Duftwettbewerbe

Im Genji monogatari beschreibt Murasaki Shikibu (ca. 973-ca. 1014) einen Duftwettbewerb (takimonoawase 薫物合わせ), bei dem Prinz Genji und andere Teilnehmer Düfte in Form von nerikô kreieren; das Räucherwerk wird verglichen, und anschließend bestimmt ein Schiedsrichter einen Sieger. Diese Duftwettbewerbe standen in der Tradition der monoawase 物合わせ (Vergleichen von Dingen), dessen berühmteste Form das utaawase 歌合わせ (Gedichtwettstreit) ist.

Das Räucherwerk bestand aus verschiedenen Zutaten wie z.B. Nelken, Zimt, Moschus oder Sandelholz. Ein fester Bestandteil war jedoch immer das sogenannte Adler- oder Aloeholz, auf Japanisch jinkô 沈香 (wörtl.: sinkendes Holz).

Foto: Dr. Chantal Weber

Abb. 3.: Zutaten für Räucherwerk

Jinkô – das sinkende Holz

Dieses Holz, welches bereits im Nihon shoki (720) erwähnt wird, ist im Grund ein Harz, welches entsteht, wenn der Adlerholzbaum mit einem Pilz oder Bakterium infiziert wurde. Das Harz bildet sich im Inneren des Baumes und verholzt anschließend. Da es von außen nicht sichtbar ist, wurden viele Bäume auf Verdacht gefällt. Der Adlerholzbaum ist heute daher vom Aussterben bedroht. Die Bäume kommen in Japan nicht vor, so dass jinkô bis heute eine Importware aus Ländern wie Vietnam, Sri Lanka oder Indonesien bleibt.

Im Laufe der Kamakura-Zeit (1185-1333) trat das Beräuchern von Kleidern und Räumen in den Hintergrund und der Genuss von jinkô als einzige Zutat gelangte in den Fokus. Dabei ging es nicht mehr darum, einen persönlichen Duft zu kreieren, sondern das jinkô als eigenständigen Duft zu genießen. Das sogenannte ichibokudaki 一木炷 wurde durch eine technische Errungenschaft möglich: die Entwicklung von Glimmerplättchen in China, das gin’yô 銀葉. Glimmer ist ein natürliches Mineral, welches ähnlich wie Schiefer in dünne Platten gespalten werden kann – und es ist hitzebeständig. Man legte das gin’yô auf einen kleinen Aschehügel, in dessen Mitte sich ein glühendes Stück Kohle befand. So musste das Holz nicht verbrannt werden, sondern konnte durch Erwärmen seinen Duft preisgeben. Diese Methode wird bis heute im Duft-Weg, kôdô 香道, angewandt.

Foto: Dr. Chantal Weber

Abb. 4: gin’yô mit jinkô

Takigumikô – „Kettendüfte“

Jedes Stück jinkô riecht anders! Selbst innerhalb eines Baumes können unterschiedliche Duftnoten auftreten. Die Kunst bestand nun darin, die verschiedenen Düfte zu unterscheiden. In der Muromachi-Zeit (1336-1573) erfolgte die Katalogisierung von jinkô-Stücken und ihre Benennung mit teilweise sehr sprechenden oder poetischen Namen. Daraus entwickelten sich dann eigene Spiele, deren Kunst darin bestand, die Hölzer zu vergleichen und ihre Namen zu erraten. Vor dem Hintergrund der Kettendichtung renga 連歌, welche sich in dieser Zeit ebenfalls großer Beliebtheit erfreute, wurden diese Spiele noch weitergetrieben: Die Namen wurden wie beim renga in Beziehung gesetzt – wurde zunächst ein Holz mit dem Namen „Kumoi 雲居“ (Wolkiger Himmel) verwendet, folgte anschließend ein Holz mit dem Namen „Tsuki 月“ (Mond) usw.

Etwas später, in der Sengoku-Zeit (1467-1568), entwickelte sich das kôawase 香合わせ, bei dem qualitativ wertvolle Hölzer von mehreren Teilnehmern verglichen und genossen wurden. Hier wurde die Tradition des takimonoawase bzw. monoawase wieder aufgegriffen.

„Kôdô –  Der Weg des Dufts“ folgt im Dezember.

 

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… das findet man doch alles im Internet …

… mag manch einer glauben, der für ein Referat oder eine Hausarbeit recherchiert. Warum sollte man den Gang vom heimischen Schreibtisch in eine Bibliothek auf sich nehmen, wenn man doch alles von zu Hause aus recherchieren und lesen kann? Außerdem ist es doch Papier- und damit Ressourcenverschwendung, wenn Informationen gedruckt, aber niemals in dieser Form gelesen werden. Die Bücher stehen doch einfach nur rum und verstauben. Alles irgendwie richtig. Und dennoch hat auch die Japanologie eine Bibliothek, die aufwendig gepflegt und mit aktuellen Büchern bestückt wird.

Foto: Sonja Hülsebus

Also, wozu gibt es noch Bibliotheken? Sie scheinen im digitalen Zeitalter anachronistisch zu sein.

Um den Wert und die Nützlichkeit einer wissenschaftlichen Bibliothek verstehen zu können, müssen wir uns anschauen, wer für den Bibliotheksbestand verantwortlich ist. Die Bücher werden nämlich von Experten nach den Kriterien ausgewählt, ob sie wissenschaftlich fundiert sind, ob die enthaltenen Informationen neue Erkenntnisse vermitteln und ob sie einen Themenkreis abdecken, der zum Sammelschwerpunkt der Bibliothek passt.

Ein wissenschaftlich fundiertes Werk, was ist das?

Foto: Sonja Hülsebus

Im Groben und Ganzen heißt dies erst einmal, dass das Buch von einem Wissenschaftler geschrieben und in einem wissenschaftlich renommierten Verlag veröffentlicht wurde. Im Detail bedeutet es, dass der Autor oder die Autorin sich an wissenschaftlichen Standards orientiert, d.h. Quellen werden offengelegt bzw. nichts wird ohne Nachweis behauptet. Ein renommierter Verlag in der Japanologie – das ist beispielsweise Harrassowitz oder der Iudicium Verlag – stellt an seine AutorInnen ebenfalls diese Ansprüche.

Im Internet kann jeder veröffentlichen! Informationen können ohne Nachweis und ohne Korrektur eingestellt werden. Das mag sehr demokratisch anmuten, ist aber für die Wissenschaft ein Problem. Der Leser muss die Richtigkeit der Information selbst bewerten und ggf. Quellen recherchieren. Natürlich gibt es auch im Internet Texte und Seiten, die wissenschaftlich fundiert sind. Die Unterscheidung und Einordnung muss man jedoch lernen.

Die Suchmaschine führt auf den richtigen Weg. Oder vielleicht nicht?

Foto: Sonja Hülsebus

Wer im Internet über die bekannten Suchmaschinen Informationen sucht, wird gezielt zu dieser geführt. Das ist praktisch. Aber es verstellt auch den Blick nach rechts und links. In einer thematisch sortierten Bibliothek wie der in der Japanologie kann man sich vor ein Regal stellen und hat viele Bücher vor sich, die für das Thema relevant sind. Sicherlich dauert es länger, aber meistens ist es auch ergiebiger und umfassender als sich von Google den Weg vorschreiben zu lassen.

Oder man kann eine bibliographische Datenbank benutzen – eine Suchmaschine für Wissenschaftler. Für Japanologen gibt es beispielsweise die „Bibliography of Asian Studies“, die von der Universitätsbibliothek zur Verfügung gestellt wird. Die Angaben dort führen zu digitalen Texte oder zu Büchern, die man in der Japanologie, in der USB oder manchmal auch anderorts bekommen kann.

Ist Wikipedia böse?

Foto: Sonja Hülsebus

Nein, Wikipedia ist toll! ABER: Für Hausarbeiten und Referate ist Wikipedia keine adäquate Quelle. Sicherlich gibt es gut recherchierte, wissenschaftlich richtige Artikel, aber es gibt eben auch andere. Um eine richtige Einschätzung abgeben zu können, muss man zum einen Erfahrung haben und zum anderen über das Thema bereits gut Bescheid wissen. Häufig stehen bei Wikipedia-Artikeln am Ende Literaturangaben. Diese ermöglichen auf jeden Fall einen guten ersten Einstieg in die Recherche und das Thema. Praktisch ist auch, dass viele Beiträge in verschiedenen Sprachen vorliegen. Man kann also ein Thema im Deutschen suchen und sich die wichtigen Schlüsselbegriffe z. B. im japanischen Beitrag ansehen.

Internet ist nicht gleich Internet.

Zum einen haben wir Webseiten, die nur im Internet existieren, die sich schnell ändern können und die jeder reinstellen kann. Auf der anderen Seite gibt es aber auch zahlreiche Datenbanken, E-Books oder Zeitschriften. Häufig sind das Texte, die zuerst auf Papier veröffentlicht wurden und anschließend als digitale Version zur Verfügung gestellt werden. Wenn ein Text eingescannt und online gestellt wird, nennt man das ein Digitalisat. Zum Beispiel sind die Bücher bei Google Books Digitalisate von gedruckten Büchern. Dummerweise ist häufig die Seite, die man lesen möchte, nicht verfügbar. Das passiert in den gedruckten Büchern glücklicherweise höchst selten.

Die Bibliothek der Japanologie …

Foto: Sonja Hülsebus

… finden Sie im 4. Obergeschoss des Ostasiatischen Seminars. Hier können Sie sich vor ein Regal stellen und finden gleich viele Bücher, die zu Ihrem Thema passen. Wenn Sie ein Buch mal nicht finden, hilft die Bibliotheksaufsicht gerne weiter. Arbeitsplätze gibt es auch. Und haben Sie es erstmal so weit geschafft, bleibt der innere Schweinhund meistens vor der Tür.

Geöffnet von montags bis freitags, 10.00 bis 18.00 Uhr.

… man findet vieles im Internet …

…, aber eben nicht alles und nicht alles ist für das wissenschaftliche Arbeiten an der Universität brauchbar. Die Mischung macht’s!

Auf den Webseiten der Japanologie finden Sie zahlreiche Links zu Internetseiten, die für das wissenschaftliche Arbeiten geeignet sind.

 

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Japanisch lernen als Abenteuer

Das Lehramtsstudium ist eng mit der Praxis verbunden. Gelegenheiten, sich im Unterrichten auszuprobieren, sind daher sehr wichtig. Das sogenannte „Sprachabenteuer“ bietet Lehramtsstudierenden eine solche Gelegenheit, wovon im Folgenden zwei studentische Teilnehmerinnen berichten:

Das Sprachabenteuer
Das Georg-Büchner-Gymasium in Weiden ermöglicht es seinen SchülerInnen, sich bereits in der Sekundarstufe I auf eine bestimmte Richtung ihres weiteren Bildungswegs festzulegen. Sprachen sind dabei ein möglicher Schwerpunkt. Die SchülerInnen des Sprachenprofils können bis zu vier Fremdsprachen wählen. Darüber hinaus gehören auch die sogenannten „Sprachabenteuer“, die den SchülerInnen der Klassen 5, 7 und 9 regemäßig die Möglichkeit bieten, bisher unbekannte Fremdsprachen bzw. die Anwendung der deutschen Sprache aus einer neuen Perspektive kennenzulernen. Japanisch passt da sehr gut ins Programm.

Zwei Stunden Japanisch
Im Rahmen unseres B.A. Studiums Lehramt Japanisch war es unsere Aufgabe, ein solches Sprachabenteuer für eine neunte Klasse vorzubereiten. Ziel war es, im Rahmen von zwei Schulstunden mit möglichst viel Spaß ein erstes „Gefühl“ für die Sprache zu vermitteln und den Horizont der SchülerInnen ein wenig zu erweitern. Um diesen Vorgaben gerecht zu werden, machten wir uns einige Gedanken zur Gestaltung. Am Ende dieser Überlegungen stand als Ergebnis ein recht umfangreiches und – wie wir fanden – auch anspruchsvolles Programm, das die Bereiche Schrift, Sprechen, Schreiben und Landeskunde gleichermaßen abdeckte. Wichtig erschien uns an allen Stellen ebenso der Lebensbezug und die Alltagstauglichkeit als auch die direkte Anleitung zur Anwendung des Erlernten.

Schriftzeichen und Symbole
Einleitend brachten wir den SchülerInnen durch Nachsprechen und gegenseitiges Ausprobieren bei, sich auf Japanisch vorzustellen. Anschließend lernten die SchülerInnen die im Japanischen verwendeten Schriften kennen. Sie sollten eine Handvoll einfacher Kanji-Piktograme passenden Fotos zuordnen und daraus die Bedeutungen ableiten. Im Anschluss erhielten sie nach einer detaillierten Erläuterung die Möglichkeit, ihren Namen in Katakana zu schreiben. Um deutlich zu machen, dass Japanisch nicht in jeder Hinsicht eine schwierige Sprache ist, ließen wir sie auf Basis eines Vergleiches der wichtigsten grammatischen Unterschiede selbst darauf schließen, dass das Japanische weder Plural, noch Genus, noch Geschlecht kennt. Abschliessend erhielten sie die Möglichkeit, die Bedeutung einiger japanischer Sprichwörter zu diskutieren.

Die SchülerInnen waren nicht nur ausgesprochen nett und aufmerksam, sondern setzten auch sehr schnell unsere Anforderungen um. Dies war sicher nicht nur der guten Vorbereitung, sondern auch ihrer hohen Leistungsfähigkeit zu verdanken.

Das erste Mal selbst unterrichten
„Im Vorfeld habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, wie sich die SchülerInnen wohl im Unterricht verhalten würden und war etwas nervös. Dies war aber völlig unbegründet! In der Unterrichtsstunde waren die SchülerInnen aufmerksam und haben interessiert mitgearbeitet. Mir persönlich haben die Gruppenarbeitsphasen am besten gefallen, da ich dort besonders gemerkt habe, dass alle sehr motiviert und neugierig waren. In der Gruppe gab es viel positive Resonanz und die SchülerInnen hatten sichtlich Spaß. Da ich im Rahmen des Sprachabenteuers zum ersten Mal die Gelegenheit hatte, Japanisch einer Schulklasse näher zu bringen, war dies eine Erfahrung für mich, die mir in Erinnerung bleiben wird.“ (Sarah Berg)

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„Gelebte Tradition“ – ein Symposium ganz im Zeichen des Immateriellen Kulturerbes

Foto: Sonja Hülsebus

Es muss nicht immer eine große, internationale Konferenz im Ausland sein. Zahlreiche interessante Symposien und andere Veranstaltungen finden jährlich deutschlandweit statt, während denen man die Chance nutzen kann, sich weiterzubilden, auszutauschen oder den Stand der eigenen Forschung vorzustellen. Das Symposium „Gelebte Tradition. Die Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes“, das am 9. September im Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) stattfand, bot ein Forum für Kulturbegeisterte, die sich mit der Frage nach dem Erhalt Immateriellen Kulturerbes beschäftigen.

Foto: Sonja Hülsebus

Zahlreiche Experten aus Deutschland und Japan waren geladen, Vorträge zu halten und an den Diskussionen teilzunehmen. Die Teilnahme für alle Interessierten war dabei kostenlos, was angesichts des Aufwands, mit dem das Symposium organisiert wurde, zumindest erwähnenswert ist. Denn es wurden nicht nur Konferenzmappen an alle Teilnehmer verteilt, sondern auch zum Mittagessen geladen. Außerdem setzten zwei Konferenzdolmetscherinnen ihr ganzes Können ein, die Vor- und Beiträge simultan zu übersetzen.

Das war nicht immer ganz einfach bei der Fülle an Fachvokabular, das rund um das Thema Immaterielles Kulturerbe gebraucht wird. Einige Redner waren sich dessen durchaus bewusst, weshalb sie versuchten, Kompliziertes möglichst gut verständlich zu formulieren. Besonders Prof. Schneider von der Stiftung Universität Hildesheim gelang dies, während er selbst vortrug und die Podiumsdiskussionen moderierte.

Das Thema Immaterielles Kulturerbe wird aus vielen verschiedenen Disziplinen erforscht, was hier nicht nur an der sehr gemischten Teilnehmerliste, sondern vor allem an den Fachbereichen der Vortragenden erkennbar war. Museumsmanagement, Kulturwissenschaft, Soziologie, Politik- und Medienwissenschaft waren nur einige Wissenschaftsbereiche der anwesenden Experten.

Doch was genau ist dieses Immaterielle Kulturerbe eigentlich? Am einfachsten lässt sich dieser Begriff in Abgrenzung zum materiellen Kulturerbe erklären. Dazu gehört beispielsweise alles, was bei der UNESCO als Weltkulturerbe gelistet ist. In den meisten Fällen sind dies Monumente oder Kunstwerke, die einen sogenannten Outstanding Universal Value (OUV – besonderer universeller Wert) haben. Im Gegensatz dazu sind mit dem Begriff „Immaterielles Kulturerbe“ kulturelle Bräuche etc. gemeint. Einen Großteil der gelisteten Kulturerben machen Tänze und andere Darstellende Künste aus. Sehr viele traditionelle Bühnenkünste befinden sich beispielsweise auf der Liste japanischer Immaterieller Kulturerben. Aber auch Kunsthandwerk und Traditionen, die nichts mit Kunst zu tun haben, können zum immateriellen Kulturerbe ernannt werden. Auf der deutschen Liste, die zurzeit nur zwei Einträge umfasst, ist folgender Eintrag zu finden: „Idea and practice of organizing shared interests in cooperatives“ – oder auf Deutsch: „die Genossenschaftsidee und -praxis“.

Foto: Sonja Hülsebus

Immaterielles Kulturerbe ist also sehr vielfältig. Doch besonders alte Kunstformen und -handwerke, wie etwa der Instrumentenbau der japanischen Laute Biwa, stehen dem Problem gegenüber, erhalten zu werden. Denn Nachwuchs in den entsprechenden Bereichen ist schwer zu finden. In ganz Japan gibt es nur noch einen einzigen Instrumentenbauer, der die Biwa in Handarbeit herstellen kann. Wissenschaftler aus einigen der oben genannten Fachbereiche stehen folglich vor der Herausforderung, Lösungen für den Erhalt verschiedener Immaterieller Kulturerben zu finden. Eine Möglichkeit ist eine sehr detaillierte Dokumentation der Arbeiten. Die Kunsthandwerker erklären also vor laufender Kamera, welches Werkzeug wofür eingesetzt wird, während der gesamte Entstehungsprozess – in diesem Falle – einer Biwa filmisch festgehalten wird. Doch lassen sich Handwerkskünste auf diese Art und Weise wirklich erhalten? Kann man anhand des Videomaterials das Handwerk eines Biwa-Bauers erlernen?

Einen weiteren Lösungsansatz liefern Museen, die versuchen, beispielsweise in Form von Workshops traditionelle Handwerkskünste an jüngere Generationen zu vermitteln. Während die Möglichkeiten des Erhalts immer vom jeweiligen Handwerk oder der jeweiligen Kunstform abhängt, sind beide hier vorgestellten Methoden keine endgültigen Lösungen. Vielmehr handelt es sich hier um erste Lösungsansätze, für deren Weiterentwicklung auch Symposien hilfreich sein können. Wissenschaft lebt nämlich zu einem Großteil sowohl vom Austausch untereinander als auch von der Kooperation miteinander.

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Heritage Around the World

Da die Beitragsserie letzte Woche kurz unterbrochen wurde, gibt es diese Woche gleich zwei Artikel aus der Schreibwerkstatt der Kölner Japanologie.

Die beiden Sonjas (Foto: Yasmina Hedider)

Der Förderzeitraum des im Rahmen dieses Blogs bereits vorgestellten Lehrprojekts „Forschungsklasse Welterbe“ neigt sich langsam dem Ende zu. Ab dem Sommersemester 2018 wird es dieses Lehrangebot zwar weiterhin geben, doch werden die finanziellen Möglichkeit dann leider nicht mehr die gleichen sein. Zum Abschluss der zweijährigen Laufzeit haben die Mitarbeiterinnen Sonja Antanasijevic und Sonja Hülsebus daher die Ausstellung „Heritage Around the World“ konzipiert, die noch bis zum 23. September 2017 besucht werden kann. Für beide war es die erste Ausstellung, die sie organisierten. Besonders gefreut haben sie sich daher über den Einsatz einiger Studierender und KollegInnen, die tatkräftig mithalfen. Für das Aufhängen der Poster waren die wichtigsten Werkzeuge eindeutig: Zollstock, Wasserwage, Bleistift, Hammer und Nagel.

Ein Mini-Flüchtlingscamp mitten in Köln (Foto: Yasmina Hedider)

Ein wenig anders sah dies beim Nachbau von Maschendrahtzäunen aus, die an das Zaatari Camp – ein syrisches Flüchtlingscamp in Jordanien – erinnern sollen. Mit Handschuhen und Kneifzange machten sich zwei Studierende an die Arbeit. Nach viel Geduld, einigem Geschick und etlichen, kleineren Kratzern kann sich das Ergebnis aber durchaus sehen lassen. Es verleiht der überwiegend aus Postern bestehenden Ausstellung noch einen ganz besonderen Charme.

Foto: June Ueno

Außerdem passt es prima zum interaktiven Konzept der Ausstellung. Denn obwohl es vor Ort bereits analog einiges zu sehen gibt, befinden sich die meisten Inhalte in der gleichnamigen App, die in den App-Stores (Google Playstore, iTunes Appstore) zum freien Download zur Verfügung steht. Die größte Arbeit fand daher auch im Vorfeld hauptsächlich am Rechner statt. Texte mussten geschrieben, Fotos ausgewählt, Stimmen aufgenommen, Videos geschnitten und die App natürlich programmiert werden. Bei 27 ausgewählten Projekten war das eine Menge an investierter Zeit.

Foto: June Ueno

Doch pünktlich zur Vernissage war alles fertig: Die Poster hingen, das Camp war aufgebaut und vor allem waren die Apps rechtzeitig online. Die zahlreichen Gäste während der Vernissage am 1. September begaben sich dann auch gleich nach den Begrüßungsworten auf Erkundungstour. In den insgesamt drei Ausstellungsräumen der Tenri Japanisch-Deutschen Kulturwerkstatt gibt es neben dem Mini-Camp schließlich noch weitere interaktive Angebote. So wird in einem Raum dazu aufgefordert, die Methode des Cultural Drawings näher kennenzulernen. In einem anderen Raum erfährt der Besuchende, wie die Forschungsmethode des Pile Sortings funktioniert.

Foto: June Ueno

Passend zu seiner Forschung in der Keramik-Hochburg Hagi (Japan) bot der Student Daniel Döbbeler den ganzen Abend an, seine Tee-Installation zu besuchen. Auf einer kleinen Bühne servierte er seinen Gästen allerdings nicht einfach Matcha nach traditionell japanischer Art, sondern forderte ebenfalls dazu auf, den Teeraum zu erkunden. Denn nichts war dem Zufall überlassen, alles hatte eine zusätzliche, symbolische Bedeutung, die ganz im Zeichen des Forschens stand.

Alles in allem begeisterte dieses Konzept die Besuchenden offensichtlich, weshalb die Vernissage als voller Erfolg verbucht werden kann.

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