Alles Kitty – oder was?

Japanische Character, also fiktionale Figuren mit extrem hohem Niedlichkeitsfaktor, sind in Deutschland vor allem durch Hello Kitty den meisten bekannt. Dieses kleine, emotionslos wirkende Mädchen in Katzengestalt ist inzwischen aus hiesigen Kaufhäusern, Schreibwarenläden oder 1-Euro-Shops nicht mehr wegzudenken. Derzeit sind geschätzte 50–60.000 Merchandising-Produkte im Kitty-Design weltweit in Umlauf, Tendenz steigend. Kitty-Produkte werden bei uns meist von jüngeren Schichten der Gesellschaft gekauft. D.h. der Erwerb eines Character ist als Teil der Populärkultur bei uns meist altersgebunden. Die wenigen Ausnahmen bestätigen die Regel.

In Japan ist natürlich die Produktpalette viel größer als bei uns, da auch die Käuferschichten viel weiter aufgefächert sind. Jährlich stattfindende landesweite Umfragen ergeben, dass von den befragten 3–69 Jährigen rund 80% einen oder mehrere Character besitzen. Bei den 50–59 Jährigen sind das im Mittelwert rund 73%, bei den 60–69 Jährigen immerhin noch 46%. D.h. der Character-Konsum ist in Japan ein Phänomen, das im Grunde genommen die ganze Gesellschaft erfasst hat. Dazu steht der deutsche Charakter-Markt im starken Kontrast, was an der vergleichsweise sehr geringen Zahl an japanischen Figuren zu beobachten ist, die ihren Weg über die Landesgrenzen hinaus geschafft haben.

Hikonyan: Link zum Video

Interessanterweise werden nicht nur kommerzielle, durchdesignte Character wie Hello Kitty (Sanrio), Miffy (Dick Bruna), Doraemon (Fujiko F. Fujio) oder Atomu (Tezuka Osamu) gekauft und gesammelt, sondern seit der Jahrtausendwende auch verstärkt sog. yuru-kyara, d.h. Character (kyara), die unperfekt (yurui) sind. Die sog. yuru-kaya werden in der Regel als Werbemittel für eine Stadt, Veranstaltung etc. von Bürgerinitiativen oder Genossenschaften in Auftrag gegeben. Und natürlich fehlt hier das in der Regel wichtigste: Geld. Dass diese Figuren oft aus der Not heraus von Laien entworfen werden, verleiht ihnen also diesen yurui-Charme. Und tatsächlich: die meist aus selbstgeschneiderten Ganzkörperplüschkostümen bestehenden Figuren wirken irgendwie recht unbeholfen, tollpatschig und vor allem anscheinend eines: extrem niedlich (kawaii) auf ihr Umfeld. Anders ist es gar nicht zu erklären, dass sich viele der yuru-kyara nach Ablauf der ursprünglichen Kampagne, für die sie eigentlich geschaffen wurden, verselbständigen konnten und über Jahre hinweg hohe Popularität genießen.

Kumamon: Link zum Video

Als Beispiel sei hier die weiße Samuraiplüschkatze Hikonyan genannt. Hikonyan wurde 2006 anlässlich des 400-jährigen Bestehens des Schlosses in Hikone (Präfektur Shiga) geschaffen. Heute gibt es Hikonyan (wörtl. Hikone-Katze) immer noch, und zwar äußerst populär und erfolgreich. Bereits drei Jahre nach ihrer Erschaffung spülten Hikonyan-Produkte auf dem lokalen Markt umgerechnet 8,5 Mio. Euro in die Kassen, der gesamtwirtschaftliche Effekt wird sogar auf rund 245 Mio. Euro beziffert. Und der 2010 kreierte schwarze Plüschbär Kumamon, der den Tourismus in der Stadt Kumamoto in Kyûshû ankurbeln sollte, brachte es im ersten Jahr schon gleich auf 20 Mio. Umsatz und 2013 sogar zu einer Audienz beim japanischen Kaiserpaar, vor dem er im wahrsten Sinne des Wortes vorturnen durfte.

Yuru-kyara Grand Prix: Link zum Video

Inzwischen ist die Zahl an unperfekten Character bzw. Lokal-Character (gotôchi kyara), wie die Plüschfiguren auch genannt werden, unüberschaubar geworden. Jährlich werden sogar landesweite Grand Prix veranstaltet, die in regelrechten Massenaufläufen der begeisterten Fans enden. In fast allen öffentlichen Räumen sind Character inzwischen in Japan anzutreffen. Und dabei sind sie äußerst aktiv, d.h. sie haben ein richtiges Eigenleben. Sie geben Pressekonferenzen, unterhalten ihre eigenen Blogs, treten in Fernsehdramen auf, machen aktiv Wahlkampf … und sind aber vor allem immer eines: niedlich. Also, alles nur eine Frage der Zeit, bis auch bei uns perfekt unperfekte Character wie Hikonyan und Co. zu kaufen sind?

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Japanisch lernen und lehren leicht gemacht

Das Erlernen einer fremden Sprache ist ein sehr guter Weg, um Zugang zur entsprechenden Kultur zu erlangen. Reine Vokabel- und Grammatikkenntnisse reichen aber weder für den sprachlichen Kontakt mit Sprecherinnen einer anderen Sprache noch für das Verständnis einer anderen Kultur aus. Auch Fertigkeiten wie Hörverstehen und Sprechen bieten noch nicht die hinreichenden Voraussetzungen, um sich im fremden Kulturraum zurechtzufinden. Vielmehr müssen weitere Fähigkeiten erworben werden, die so genannten interkulturellen kommunikativen Kompetenzen. Gemeint sind damit Kenntnisse über Japan und Fähigkeiten wie Toleranz und Empathie, die helfen, auch Alltagssituationen im interkulturellen Kontakt zu meistern. Wie das Lehren und Lernen all dieser Fertigkeiten in Bezug auf die japanische Sprache im schulischen Unterricht erfolgreich gestaltet werden kann, damit befasst sich die Fachdidaktik Japanisch.

Studierende, die in Köln an den Übungen und Seminaren zur Fachdidaktik Japanisch teilnehmen, haben das Ziel, als LehrerIn tätig zu werden. Der Studiengang heißt im zweiten Studienabschnitt schließlich auch „Master of Education“. Dieser schließt an den Bachelor Japanisch an. So wurde die Einführung der gestuften Studiengänge, also von Bachelor und Master, in den Lehramtsstudiengängen realisiert.

Foto: Monika Unkel

Das Unterrichtsfach Japanisch kann man erst seit wenigen Jahren in Köln studieren, nämlich seit der Einrichtung der Junior-Professur für japanische Sprache und ihre Didaktik im Jahr 2012. Abgesehen von der Ruhr-Uni Bochum ist Köln derzeit der einzige Standort in Deutschland, an dem Japanisch auf Lehramt studiert werden kann. Doch wie sieht dieses Studium eigentlich aus?

Generell gilt, dass man erst nach dem Masterabschluss bereit für das Referendariat an einer Schule ist. Um den Master of Education anfangen zu können, muss aber zuerst das Bachelorstudium erfolgreich absolviert werden. Dabei ähnelt der BA Japanisch dem Studium im BA Japanische Kultur in vielen Punkten. In beiden Studiengängen spielt der Sprachunterricht eine zentrale Rolle. Aber auch Seminare zu Themen der japanischen Gesellschaft und Kultur müssen in beiden Studiengängen belegt werden. Für Lehramtsstudierende steht zusätzlich schon im Bachelor die Fachdidaktik mit auf dem Lehrplan. D. h. dass man nicht nur selbst Japanisch gründlich erlernen muss, sondern sich gleichzeitig auch damit befasst, welche Fähigkeiten und Techniken zum Unterrichten zur Verfügung stehen und wie man Japanisch erfolgreich lernen kann.

Da das Studium im Fach Japanisch normalerweise ohne Vorkenntnisse beginnt, lernt man parallel zum eigenen Lernen der japanischen Sprache auch etwas darüber, welche Möglichkeiten es gibt, z. B. Grammatikunterricht zu gestalten. So lernt man neue Strategien oder Lerntechniken kennen, die man dann auch für sein eigenes Lernen nutzen kann.

Nach der Einführung in die verschiedenen Kompetenzbereiche geht es aber auch darum, das Gelernte in echten Lehr-Lernsituationen auszuprobieren. Dazu erarbeitet die jeweilige Seminargruppe eine Unterrichtsstunde, die an einer Schule oder im Rahmen der KölnerKinderUni durchgeführt wird. Auf diese Weise wird nicht nur anhand einer vorgegebenen Zielsetzung für eine fiktive Zielgruppe ein Plan für eine Unterrichtsstunde entwickelt, sondern man kann ausprobieren, wie das Geplante bei „echten“ Schülerinnen und Schülern ankommt. Danach wird die Unterrichtsstunde auch in der Gruppe besprochen und reflektiert. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass solche Unterrichtseinheiten zwar mit sehr viel Arbeit verbunden sind, aber das wird durch den Spaß und das Erfolgserlebnis, selbst unterrichtet zu haben, allemal aufgewogen.

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Manga – Ein Blick hinter die Kulissen …

Dass sich Manga auf dem deutschen Buchmarkt einmal durchsetzen würden, hätte vor rund eineinhalb Jahrzehnten sicherlich niemand hier geglaubt. Zu groß war die Skepsis gegenüber dieser japanischen Form des Erzählens mit Text und Bild. Inzwischen konnte sich der deutsche Buchmarkt eines Besseren belehren lassen. Alle möglichen Autoren, Werke und Genres aus Japan werden mittlerweile übersetzt und erscheinen dann – wenn nicht gerade (illegal) als Scanlation (Scan + Translation = Scanlation) im Internet – als Taschenbuch bei den unterschiedlichsten Manga- und auch Comic-Verlagen. Der hiesige Manga-Markt ist vor allem ein Buchmarkt, geprägt von kostengünstigen Taschenbüchern mit SW-Abbildungen und Farbcover. Doch wie sieht das eigentlich in Japan aus?

Beispiel einer Manga-Zeitschrift (Foto: Sonja Hülsebus)

Japanische Fans kommen nicht durch das Format Taschenbuch (tankôbon/bunkobon) mit den neuesten Werken in Kontakt, sondern über das Format Zeitschrift (zasshi). Derzeit erscheinen in Japan mehr als 270 verschiedene Manga-Zeitschriften im Wochen-, Zweiwochen- oder Monatsrhythmus. Diese sind oft mehrere Hundert Seiten stark und vor allem eines: extrem billig! Rund 500 Seiten Lesespaß sind schon für umgerechnet 4 bis 4,50 Euro zu haben. Obwohl die Branche schon seit Jahren über einen massiven Rückgang klagt, betragen die Verkaufszahlen bekannter Magazine wie Shônen Jump (Shûeisha Verlag) rund 2,8 Millionen oder Shônen Magazine (Kôdansha Verlag) immerhin noch ca. 1,5 Millionen Exemplare.

Die Verlage können überhaupt nur so viele unterschiedliche Manga-Zeitschriften drucken, weil der Markt in Japan so extrem vielseitig ist. Die einzelnen Zeitschriften richten sich an ganz verschiedene Geschlechter-, Alters- und Berufsgruppen. D.h. als Manga-Fan „entwächst“ man nicht einfach irgendwann dem Medium Manga, weil es keine geeigneten bzw. ansprechenden Geschichten für einen/eine mehr gibt. In Deutschland ist das anders. Hier wird das Medium Manga oft von einer bestimmten Altersgruppe konsumiert, bis man/frau „einfach zu alt dafür ist“. Im Gegensatz dazu wird in Japan einfach die Zeitschrift – meist sogar noch bei ein und demselben Verlag – gewechselt. Diese Form der Leserbindung ist das A und O für den Erfolg des japanischen Manga-Marktes. Einmal Manga-Fan immer Manga-Fan.

Innerhalb einer Zeitschrift werden parallel unterschiedliche Geschichten serialisiert, also regelmäßig fortgesetzt. Das Feedback der Leserschaft ist dabei häufig entscheidend, wie lange eine Serie läuft, welche Figuren in der Geschichte drinbleiben oder rausfliegen, welche Richtung die Story nimmt etc. Die Interaktion zwischen Verlag und Leserschaft findet oft durch Umfragepostkarten, die in jeder Zeitschrift stecken, oder inzwischen auch durch soziale Netzwerke statt. Durch sie weiß der Verlag, was angesagt ist. Denn: mit den Zeitschriften machen die Verlage in der Regel keinen Gewinn. Sie dienen vielmehr der Verlustminimierung. D.h. anhand gut und lange laufender Serien in den Zeitschriften, wissen die Verlage erst, welche Storys sich später für eine anschließende Taschenbuchpublikation lohnen könnten. Hier wird der eigentliche Gewinn eingefahren, und zwar über Jahre hinweg.

Diese Form der Produktion hat in Japan immerhin schon in den 1950er Jahren mit der Gründung zahlreicher Monatsmagazine ihren Anfang genommen und in den 1960er Jahre mit der Gründung von Wochenmagazinen ganz neue Dimensionen erreicht. Sie ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Manga überhaupt erst seine Spezifika, die ihn heute so einzigartig machen, entwickeln konnte.

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Buch-Recycling in der Edo-Zeit

 Bzw. womit man sich als Japanologe auch noch beschäftigen kann

Foto: Sonja Hülsebus

Kuriose Sonderfälle aus unseren Schenkungen
Seit Jahrzehnten schlummern etliche Regalmeter an Schenkungen in unserem Bibliothekskeller. Erst jetzt werden die Werke nach und nach durchgesehen, aussortiert oder aufgenommen. Warum das so lange gedauert hat, liegt einerseits an unserem jahrelangen Mangel an Bibliothekskräften. Andererseits liegt es auch daran, dass einige von diesen Werken, sogenannte hanpon 板本 (Bücher erstellt im Holzblockdruckverfahren), in kuzushiji 崩し字 (japanischer Schreibschrift) verfasst sind. Kuzushiji können heute nur noch sehr wenige Japanologen lesen. Herr Köhn ist Teil dieser seltenen Spezies, weshalb er bei Gelegenheit ein Werk nach dem anderen durchschaut und die wichtigsten Metadaten dieser Werke entziffert und übersetzt. Bei dieser Arbeit ist er auf einige Kuriositäten gestoßen, von denen ich eine kurz vorstelle.

Foto: Sonja Hülsebus

Wie hanpon hergestellt werden
Hanpon sind Holzblockdrucke. D.h. zur Herstellung wird der Text zunächst auf ein Blatt Papier geschrieben, was dann spiegelverkehrt auf eine Holzplatte geklebt wird. Alles, was nicht Schrift ist, wird dann herausgeschnitten, sodass eine Negativform entsteht. Diese Negativform wird später mit Tusche abgerieben und auf Papier gedruckt. Bei diesem Verfahren werden allerdings immer zwei Seiten auf einmal aus einem Holzblock geschnitten. Die aus dem Druck entstandene Papier-Doppelseite wird in der Mitte gefaltet und an den offenen Enden zusammengenäht. Quasi anders herum, als wir das von modernen Büchern kennen. Die Innenseiten dieser Doppelblätter bleiben dabei blank. Bücher, die auf diese Art und Weise zusammengenäht werden, nennt man tojihon 綴じ本. Tojiru 綴じる heißt ‚einbinden’ oder ‚zunähen’, und hon 本 heißt ‚Buch’. Übrigens nennt man den Fixierfaden zum Zusammennähen von Büchern auch tojiito 綴じ糸 (ito = Faden).

Buch-Recycling
Auf dem Foto ist ganz gut zu erkennen, dass dieses Werk doppelt bedruckt wurde. Herr Köhn hat bei seinen Recherchen herausgefunden, um welche beiden Bücher es sich hier handelt.

Foto: Sonja Hülsebus

Das ältere Werk auf den Innenseiten trägt den Titel Ehon kojidan 絵本古事談 (Illustrierte Geschichten alter Begebenheiten) aus dem Jahr 1714, des damals recht bekannten Autors Yamamoto Joshû 山本序周 (Lebensdaten unbekannt). Das damals sehr kostbare Papier wurde wiederverwendet, indem die Doppelseiten des Ehon kojidan auf den Rückseiten erneut bedruckt und anders herum gefaltet wieder zusammengenäht wurden. Das nun sichtbare Werk Musô byôe kochô monogatari 夢想兵衛胡蝶物語 (Die abenteuerlichen Geschichten des Musô Byôe) von Kyokutei Bakin 曲亭馬琴 (1767-1848) – einem  der berühmtesten Unterhaltungsschriftsteller der Edo-Zeit (1603-1868) – wurde 1810, also knapp hundert Jahre später, veröffentlicht. Man hat die ältere Lektüre also recycelt, um eine zeitgenössische, noch populärere Schrift zu drucken.

Hanpon in der Forschung
Dieser Fund wirft gewiss einige Fragen auf. Eine davon ist natürlich die, warum das Buch zweimal bedruckt wurde. Hat man hier die alten Bestände im Lager ausgemistet und das kostbare Papier einfach wiederverwendet? Handelt es sich hierbei vielleicht um einen Probedruck, der gar nicht auf den Markt hätte gelangen sollen? Denn üblich war diese Wiederverwertung nicht. Außerdem wurde das Ehon kojidan in Ôsaka veröffentlicht, während Kyokutei Bakins Werk in Edo (heutiges Tôkyô) erschien. Wie ist das zu erklären?

 

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Die Kölner Japanologie stellt sich vor: Teil VI

Foto: Milena Iciek

Name
Sonja R. Hülsebus

Was wollte ich eigentlich mal werden?
Einen richtigen Plan für meine berufliche Zukunft hatte ich nie. Mit einem Anästhesisten zum Vater und einer Krankenschwester zur Mutter wäre ein Medizinstudium quasi vorprogrammiert gewesen. Meine Stärken liegen aber eher in den Sprachen als in den Naturwissenschaften. Hinzu kommt mein Interesse für Kampfsport. Da ich längere Zeit hauptsächlich japanischen Kampfsport gemacht habe, entwickelte sich nach und nach ein immer größer werdendes Japan-Interesse. Zum Studium bin ich in meine neue Wahlheimat Köln gezogen, was ich nie bereut habe. Köln ist inzwischen genauso meine Heimat wie die Kleinstadt Jever, in der ich aufgewachsen bin. An die Uni und an meine Fächerkombination Japanisch / Englisch musste ich mich allerdings deutlich länger gewöhnen, als an das offene Gemüt der Kölner und das, obwohl ich anfangs noch unbedingt promovieren wollte. Nach dem Bachelor war dieser Plan ersteinmal vom Tisch. Der hart umkämpfte Arbeitsmarkt an deutschen Unis bzw. weltweit schreckte mich ab. Mangels eines Alternativplans blieb ich nach dem BA trotzdem an der Uni und nahm mit der gleichen Fächerkombination das Masterstudium auf. Inzwischen hatte ich erfahren, dass viele Doktoranden an der Uni zumindest mit einer halben Stelle in der Lehre arbeiten. Der Plan zu promovieren rückte damit noch weiter in die Ferne, denn Lehre konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Was mache ich jetzt?
Im Sommer 2015 bekam ich einen Job als Projektkoordinatorin in Aussicht gestellt. Fix schrieb ich deshalb meine Masterarbeit zu ende und fing im Oktober an, als wissenschaftliche Mitarbeiterin das Projekt „Forschungsklasse UNESCO Welterbe“ zu betreuen. Bislang kaum mit dem Thema UNESCO Welterbe in Berührung gekommen, fasziniert es mich nun so sehr, dass ich nun doch mein Promotionsvorhaben vorbereite. Seit Januar 2017 vertrete ich zudem Herrn Elis für neun Monate. Ich mache jetzt also genau das, was ich eigentlich nicht machen wollte.

Wie bin ich zu diesem Beruf gekommen?
Inzwischen weiß ich mit Sicherheit: es ist keine Übertreibung, wenn behauptet wird, für einen Job an der Uni gehört eine Mischung aus Glück und dem richtigen Timing genauso dazu wie die fachlichen Fähigkeiten. Ich war bereits als Bachelorstudentin Hilfskraft in der Japanologie. Glücklicherweise konnte ich bis zum Ende des Masterstudiums diesen Nebenjob behalten, d.h. ich habe einige Zeit für Herrn Köhn gearbeitet, bevor er mir den Job als Koordinatorin anbot. Dass ich kurz vor Beginn des Projekts meinen Masterabschluss geschafft habe, war wirklich perfektes Timing.

Was schätze ich an meinem Beruf?
Wann und wie ich meine Aufgaben erledige, bleibt größtenteils mir überlassen. Das gibt mir nicht nur Raum für ein selbstständiges Arbeiten, sondern auch für eine große Portion Kreativität. Außerdem lerne ich ständig Neues – nicht nur auf dem Gebiet der Heritage Studies. Ein großes Plus sind auch die KollegInnen der Japanologie, die stets mit Rat und Tat zur Seite stehen. Als Berufsanfänger schätze ich diese gute Betreuung sehr.

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