Autor:innen: Lucie Riewe und Paul Langner
Angehende und ausgebildete Japanolog*innen aus ganz Deutschland bilden einen großen Teil des Teams des deutschen Pavillons auf der diesjährigen Expo in Ôsaka, darunter auch Studierende der Japanologie der Universität zu Köln. Hier berichten wir, worum es sich bei einer Expo handelt, wie unser Arbeitsalltag dort aussieht und auf welche Weise uns das Studium darauf vorbereitet hat.

Der deutsche Pavillon auf der Expo 2025 Ôsaka, Kansai, Japan. Foto: Lucie Riewe
Expo – Exposition Universelle Internationale
Die Expo, auch als Weltausstellung bekannt, ist eine Veranstaltung mit langer Geschichte. Stellvertreter*innen unterschiedlicher Nationen kommen dort an einem Ort zusammen, um unter einem Leitthema Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen vorzustellen und kulturellen Austausch zu fördern. Veranstaltet wird die Expo seit 1928 durch das Bureau International des Expositions (BIE), welches auch über den Austragungsort entscheidet. Erstmals wurde die Expo 1851 im eigens dafür konstruierten Crystal Palace in London abgehalten und galt zur Zeit der industriellen Revolution als Messe der maschinellen und technischen Innovationen. Auch der Eiffelturm wurde für die Weltausstellung im Jahre 1889 errichtet. Seitdem fanden weltweit im Abstand von fünf Jahren insgesamt 51 Expos statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Übergang zu einer noch globaleren Welt und Wirtschaft, die zunehmend digitale statt analoger Innovationen hervorbringt, entwickelte sich die Expo primär zu einem kulturellen und politischen Event.
„Designing Future Society for Our Lives“
Unter dem Leitthema „Designing Future Society for Our Lives“ legt auch die aktuelle Expo den thematischen Schwerpunkt auf die Zukunft. Unterteilt ist das Leitthema in die Subthemen „Saving Lives“, „Empowering Lives“ und „Connecting Lives“, die in Zonen auf dem Veranstaltungsgelände repräsentiert sind. Vom 13. April bis zum 13. Oktober 2025 besuchen täglich Hunderttausende Menschen die Ausstellung auf der in den 1980er Jahren künstlich angelegten Insel Yumeshima 夢洲, um einen Einblick in die Kulturen der Welt zu erhalten. Die Länderpavillons sind jeweils einem der Themen zugeordnet und in der entsprechenden Zone angesiedelt.
Wa! Germany

Unser Audio-Guide nach dem Vorbild des deutschen Maskottchens Circular. Foto: Lucie Riewe
Der deutsche Pavillon gehört der Zone „Connecting Lives“ an und fokussiert sich unter dem Slogan „Wa! Doitsu わ!ドイツ“ inhaltlich auf das Thema Kreislaufwirtschaft. Der Pavillon selbst ist ein Komplex aus miteinander verbundenen Zylindern, die im Anschluss an das Event zum Großteil baustoffrein auseinandergenommen und recycelt werden können. Durch minimales Zuschneiden der Teile soll die Wiederverwendbarkeit standardisierter Bauteile gewährleistet werden. Sogar die Pflanzen im Außenbereich sind in gewissem Maße zirkulär; sie wurden in Kooperation mit einer lokalen Baumschule eingepflanzt und kehren zum Ende der Expo wieder in deren Besitz zurück. Das Maskottchen des Pavillons ist das Circular (am 16. September offiziell zum beliebtesten Ländermaskottchen der Expo gekürt), welches die Besucher*innen auch als Audio-Guide durch den Pavillon begleitet und mit Informationen versorgt.
Die Arbeit im deutschen Pavillon
Doch wie sieht nun eigentlich der Arbeitsalltag auf einer Expo aus? Um dies zu beantworten, wollen wir etwas genauer auf unsere persönlichen Erfahrungen eingehen. Vor Beginn der Expo nahmen wir gemeinsam mit allen Guides des deutschen Pavillons (etwa 75, aufgeteilt auf drei Schichten) an einer Schulung teil, durch die uns neben grundlegenden Informationen über den Pavillon und unsere Aufgaben auch interkulturelles Wissen in Bezug auf Japan vermittelt werden sollte. Dies war besonders für diejenigen Kolleg*innen relevant, die zum ersten Mal für längere Zeit hier sind. Unser Arbeitsalltag besteht vor allem aus der Betreuung von Besuchenden, der Absprache mit dem japanischen Sicherheitspersonal, der Öffnung sowie Schließung der Warteschlange und der Führung politischer, wirtschaftlicher und privater Delegationen durch den Pavillon.
Interkulturelle Kommunikation

Eine Besucherin zeigt uns ihr selbstgemachtes Circular und das passende Nageldesign. Foto: Paul Langner
Der größte Teil der Gäste, aber auch der Delegationen, stammt aus Japan, weshalb gute Japanischkenntnisse von Vorteil sind. Auch ein tieferes Verständnis für die zwischenmenschlichen Verhaltens- und Kommunikationsweisen in Japan ist äußerst hilfreich. Dass das Lehrbuchwissen die Praxiserfahrung dabei jedoch nicht ersetzen kann, zeigte uns die Arbeit an unserem Informationscounter, über den Besucher*innen Informationen über den deutschen Pavillon einholen und sich bei Reservierungen anmelden können. Denn wie in vermutlich jedem Serviceraum kochten auch hier mitunter die Gefühle hoch und zeigten uns, dass auch in Japan nicht unbedingt jede Begegnung den gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen muss. Durch diese Interaktionen entwickelten wir ein besseres Gespür für den Umgang mit japanischen Gästen in einem professionellen Kontext wie diesem. Die erlangten Japanischkompetenzen ermöglichten uns den Zugang zu Besuchenden, die sich besonders über die Möglichkeit freuten, mit uns auf Japanisch in Kontakt treten zu können. Viele Gäste brachten sogar kleine Geschenke mit, unter anderem Fächer gegen die Hitze und selbstgefaltetes Origami.
Unser Fazit
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass uns die Arbeit auf der Expo wichtige Einblicke in die japanische Arbeitswelt, vor allem die Service-Branche, ermöglichte. Zu vielen japanischen Kolleg*innen und anderen Mitarbeitenden der Expo bauten wir enge Freundschaften auf, die uns hoffentlich noch lange erhalten bleiben. Ein solches Arbeitsumfeld, bestehend aus Management und Guides aus Deutschland, japanischem Reinigungs- und Sicherheitspersonal und einem japanischen sowie internationalen Publikum, stellt einen besonderen gesellschaftlichen Raum dar. Die Möglichkeit, in einem solchen Kontext arbeiten zu können und sich den damit einhergehenden Herausforderungen zu stellen, bietet sich nur selten. Insgesamt sind wir deshalb froh, die Chance ergriffen zu haben, und können anderen Studierenden nur empfehlen, ähnliche Erfahrungen zu sammeln, wenn sich ihnen die Möglichkeit dazu bietet.

















