Was ist ein CMS? Oder: Manchmal muss man das Einfache komplizierter machen, um das Komplizierte einfach machen zu können.

Die Uni Köln setzt schon seit vielen Jahren Content Management Systeme (CMS) für die Gestaltung ihrer Webseiten ein. Dabei werden verschiedenste Systeme bunt gemischt. Das Rechenzentrum setzt dabei auf TYPO3, für das ich als Webmaster verantwortlich bin.
Ich möchte hier auf kein spezielles CMS eingehen weil Joomla, Drupal, WordPress, TYPO3 und die vielen anderen Systeme vor der gleichen Aufgabe stehen. Die einen können das eine besser, die anderen etwas anderes, unterm Strich unterscheiden sie sich nicht viel.

Doch CMS werden häufig missverstanden. Im Gegensatz zu den Anfangszeiten des Internets, in denen jeder, der Webseiten erstellte, auch ein profundes Wissen über die zugrundeliegende Technik hatte, ist – zumindest an der Uni – die Verantwortung für die Erstellung von Web-Inhalten längst von den „Techies“ weg-gewandert und zählt nun im Grunde zur normalen Büro- und Schreibarbeit.

Das Internet lässt sich jedoch nur deswegen so kinderleicht bedienen, weil viele schlaue Köpfe sich die komplizierte Arbeit gemacht haben, es einfach zu machen.

Zudem wachsen – von vielen oft unbemerkt – die Anforderungen. Der Masse verborgen bleiben, zum Beispiel, die Bemühungen, die Webseiten auch für Sehbehinderte und Menschen mit anderen Handicaps bedienbar zu machen. Dies wird aber wieder interessant, wenn wir versuchen Webseiten mit unseren Smartphones und anderen Mobilgeräten zu bedienen.
Die neusten Generationen von Smartphones mögen mit ihren hohen Bildschirmauflösungen in der Lage sein, Webseiten darzustellen wie es ein Computer mit großem Monitor macht, aber die Schrift wird auf den kleinen Displays unleserlich klein, während – im Vergleich zur Bildschirmgröße – unsere Finger viel zu groß für Links sind, die für die Bedienung mit einem kleinen Mauszeiger optimiert sind.

Was ist „Content“?

Wikipedia bescheinigt Content Management Systemen: „Besonderer Wert wird bei CMS auf eine medienneutrale Datenhaltung gelegt. So kann ein Inhalt auf Wunsch beispielsweise als PDF- oder als HTML-Dokument abrufbar sein“.
In der Theorie schreibt ein Redakteur also seine Texte frei von den Beschränkungen des Mediums, welches zur Auslieferung der Inhalte verwendet wird. Die Inhalte wären in dieser Philosophie also reine Information.

Wer aber schon einmal unsäglich missverstanden wurde, weil eine eigene E-Mail vom Adressaten völlig anders interpretiert wurde, als sie gemeint war, weiß, dass die bloßen Wörter eines Texts nicht alle Informationen übertragen. Im persönlichen Gespräch kann man zusätzliche Gestik, Mimik, Betonung und dramatische Pausen nutzen. Im Geschriebenen versuchen wir diese Stilelemente mit Fettdruck, Kursivschrift, farbigen Unterlegungen und nicht zuletzt auch mit Smileys und anderen Emoticons zu simulieren.

Diese Methoden sind jedoch nicht „medienneutral“. Ein Farbenblinder übersieht vielleicht rote Unterlegungen. Und wie erklärt man einem Text-To-Speach-Programm, wie es von Blinden benutzt wird, was ein kursiver Text ist, und wie dieser vorzulesen ist?
Es ist aber nicht nur die Barrierefreiheit, in der Industrie werden teilweise „Hands-Free“-Systeme nachgefragt, wie Sie sie vielleicht von (SMS-)Vorlesefunktionen neumodischer Autoradios kennen.
In vielen Bereichen ist es einfach praktisch, sich das Medium, mit dem man Inhalte konsumiert jederzeit frei aussuchen zu können.

Ein weiteres Schlagwort ist dabei auch das „Semantische Web“. Gemeint ist dabei der Versuch, die Inhalte im Internet so aufzubereiten, dass Computer (Hauptsächlich die der großen Suchanbieter) auch die Bedeutung dessen verstehen, was auf einer Seite steht, anstatt Webseiten als einfache Zeichenketten zu betrachten. Wie viel besser wären Suchmaschinen, wenn sie unterscheiden könnten, ob ein Text von „Frau Rosa Blume“ handelt, oder von einer Blume, die rosa ist?

Wie kann mir ein CMS dabei helfen?

Natürlich muss zwischen der Theorie und dem praktisch Anwendbaren ein Kompromiss gefunden werden, der mal besser, mal weniger gut auf einen konkreten Anwendungsfall passt.

Die meisten Content-Managemant-Systeme haben natürlich ein Hauptausgabemedium, welches in den allermeisten Fällen eine normale Webseite ist. Daher werden von den meisten CMS Rich-Text- oder gar vollständige WYSIWYG-Editoren angeboten. Die Funktionen (Textstil, Überschriften, Absätze, Einrückungen, Einfügen von Tabellen und Bildern…) kennen die meisten aus Office-Programmen. Und an dieser Stelle kommt es häufig zu einem Missverständnis: Ein CMS ist kein Word. Man arbeitet nicht auf einer freien weißen Seite, dessen Layout frei bestimmt werden kann, sondern eher auf einem Formular mit Textbereichen, welche mit Inhalt gefüllt werden sollen.
Idealerweise positioniert man also nicht die Elemente, sondern man zeichnet sie aus, um die fehlenden Informationen medienneutral und für den Computer verständlich nachzutragen.

Beispiele:

Will man einen Textabsatz, zu dem ein Bild gehört, anlegen, so wäre es nicht medienneutral cm-genau oder Pixel-weise die Position des Bildes zu bestimmen. Besser wäre es, den Text und das Bild zu speichern und die Beziehung dazwischen einzutragen. Diese Text-Bild-Beziehungen könnten sein:

  • „Das Bild ist eng mit dem Inhalt des Textes verknüpft, beide bilden eine Einheit, der Text sollte das Bild umfließen.“
  • „Das Bild begleitet den Text eher lose, und kann auch einfach daneben stehen.“
  • „Der Text, erklärt das Bild, welches der eigentlich wichtige Inhalt ist. Das Bild sollte also so groß wie möglich dargestellt werden, und der Text darunter stehen.“

Dies ist natürlich nur ein kleiner Auszug der Möglichkeiten, die so vielseitig sein können, wie die Menschen, welche die Inhalte erstellen. Um dies also nicht allzu sehr ausufern zu lassen, wird ein CMS daher eher vereinfachte Optionen anbieten, ohne auf den konkreten Grund für die Text-Bild-Beziehung einzugehen:

  • „Text mit Bildumfluss“
  • „Text mit Bild daneben“
  • „Text mit Bild darüber“

Ein anderes Beispiel ist ganz pragmatischer Natur: Wichtige Textpassagen werden gerne rot markiert. Wenn man mal von den Schwierigkeiten von Menschen mit Rot/Grün-Schwäche absieht, kann das Problem entstehen, dass bei einem Wechsel des Designs diese Passage unleserlich wird, wenn sich auch die Farbe des Texthintergrundes im neuen Design geändert hat. Häufiger ist aber der Fall, dass die konkret gewählte Farbe nicht mehr mit dem Farbkonzept des Designs harmoniert. Vorleseprogramme kommen hier, wie gesagt, ebenfalls an ihre Grenzen.
In diesem Fall ist es ratsam, den Textteil als „wichtig“ zu markieren. Im Design würde man dann wiederum definieren, wie „wichtiger Text“ dargestellt werden soll – dies kann dann wieder, wenn es zum Design passt, rot sein, später aber leicht von zentraler Stelle dem Design entsprechend geändert werden können.

Dem Semantischen Web würden hier natürlich Auszeichnungen helfen, die besagen „Das ist ein Name“, „Hier steht eine Adresse“ oder auch „Dies ist ein Akronym“. Von Suchmaschinen ausgewertet, könnte man schnell Suchanfragen formulieren, die einem zum Beispiel alle Seiten anzeigen, auf denen eine bestimmte Person erwähnt wird. Dies ist jedoch – zumindest bei redaktionell erstellten Texten – Zukunftsmusik, für die aber derzeit die Grundlagen geschaffen werden.

Natürlich kann nicht mit allem so abstrakt verfahren werden, und dem Redakteur sollen durchaus noch Möglichkeiten bleiben, seine Inhalte auch optisch ansprechend zu gestalten. Ob ein Bild im Text Rechts oder linksbündig sein soll, um die Gesamtseite aufzulockern, oder ob er zum Verdeutlichen von Zusammenhängen auch Farbmarkierungen anbringen kann, auf die in nicht-visuellen Darreichungsformen verzichtet werden kann, sollte ihm dabei offen stehen.
Dennoch sollte man das Credo „Weniger ist manchmal mehr“ nicht aus den Augen verlieren und hin und wieder einen Kompromiss eingehen, um in der Zukunft weniger Probleme zu haben.

Fazit:

Zwischen dem utopischen Ideal, alle Informationen mitsamt aller Metadaten zu jeder Zeit und über jede denkbare Kommunikationsform in jeweils bester Weise zur Verfügung gestellt zu bekommen, und einem aramäischen Pergament, welches Sie nur nach jahrelangem Studium entziffern können, liegt irgendwo ein Kompromiss, der die Kommunikation für uns alle vereinfacht. Dazu ist es also manchmal nötig, etwas weniger darüber nachzudenken, wie ich einen Inhalt grafisch aufbereite, und dafür etwas mehr darüber, warum ich ihn genauso haben möchte, wie ich mir das vorgestellt habe.
Oder überspitzt ausgedrückt: „Frage nicht (immer) was das CMS für Dich tun kann, frage auch mal, was Du für das CMS tun kannst (damit es Dich besser versteht)“

Ein Gedanke zu „Was ist ein CMS? Oder: Manchmal muss man das Einfache komplizierter machen, um das Komplizierte einfach machen zu können.“

  1. Ein CMS kann dein Leben einfach erleichtern. Deshalb arbeite ich viel mit WordPress und Drupal. Für mich die größte Vorteil liegt und die riesige community und an die zahlreiche Plugins und Themes Möglichkeiten. Damit kann ich schnell eine Webseite aufbauen ohne große Kopfschmerzen. Für einige Projekte ist vielleicht besser HTML und CSS (mit Bootstrap am besten, mein Framework of Choice). Allerdings würde ich auf jedenfalls empfehlen mit ein CMS zu arbeiten und damit ist für Anfänger WordPress das Optimale CMS weil die lernkurve ist ziemlich klein.

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