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2. Studienleistung

10. Februar 2017 - Blog, Lernblog, Studienleistungen, Zusatzaufgabe 2

Nach der Lektüre und Reflexion der Seminartexte: Welches sind die für Sie wichtigsten Erkenntnisse aus den im Seminar geführten Diskussionen bzw. den gelesenen Texten? Welche Fragen bleiben offen? Welche Anschlussperspektiven ergeben sich für Sie?

 

Als letzte Aufgabe der Studienleistung lasse ich meinen Erkenntnisgewinn durch die Lektüren und die Diskussionen des Seminars „Von Transnationalismus zu Translokalität“ des Wintersemesters 2016/2017 Revue passieren. Dazu ist zunächst zu sagen dass, meine Teilnahmen an den montägigen Seminarsitzungen zum Ende des Semesters stark nachgelassen haben. Dies ist nicht auf den Mangel an Interesse der behandelten Themen oder der Situation in den Sitzungen zurückzuführen. Sondern bedingt sich aus der Vielzahl der Arbeitsintensiven Seminare die ich dieses Semester belegen musst um einen reibungslosen Studienordnungswechsel durchführen zu können. Daher wird sich diese Studienleistung größtenteils auf die Lektüre und den damit verbunden Diskussionen vor dem Jahreswechsel beziehen, weil es für mich in diesem Zeitraum noch möglich war regelmäßig aktiv an den Seminareinheiten teilzunehmen.

Die Geschichte der Migration in der Ethnologie stellte für mich eine gelungene Einführung zum Themenfeld Transnationalismus und Translokalität da. Dadurch dass, Persönlichkeiten wie Bronislaw Malinowski mit seinem Funktionalismus oder Alfred Radcliffe-Brown mit der Weiterführung des Funktionalismus durch den Strukturfunktionalismus das Fach der Ethnologie lange Zeit stark prägten, wurde der Einfluss von Migration und Mobilität in den Forschungen vernachlässigt. Doch Aufgrund des Interesses zu Migration und Mobilität in den 90iger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts entstand in der Ethnologie ein reger „run“ auf Themenbereich die diese beiden Gegenstände beinhalten. Verknüpft mit dem Bereich der Technisierung rückt Migration und Mobilität in den Fokus vom Fach.

Das Thema der Migrationstheorien der Seminarstunde vom 7.11.2016 brachte einen Einblick in die Migrationsforschung des 20. Jahrhunderts. Aufgrund des Seminars „Afrika unterwegs“ welches gleichermaßen zum Aufbaumodul zählt und ebenfalls das Thema Migrationstheorien behandelte bekam vermehrten Zugang zum Thema.

Aufgrund der großen Bevölkerungsbewegungen im 20. Jahrhundert entstand ein wachsendes Interesse im Hinblick auf Migration und Bewegung. Es entstand ein interdisziplinäres wissenschaftliches Arbeitsfeld, welches sich mit dauerhaften und grenzüberschreitenden Verlagerungen menschlicher Wohnorte befasst. Viele der Migrationstheorien beinhalten makro- und mikrotheoretische Ansätze. Durch die Veranschaulichung der differenten Lehrsätze soll dargestellt werden wie präzise Faktoren einer Migrationsentscheidung angegeben werden und wie offen die Theorie für Vertiefung ist.

Die makrotheoretischen Ansätze versuchen Migrationsverhalten auf der Basis ganzer Populationen zu beschreiben. Die zusammengefassten Wanderungsgeschehen zwischen zwei Regionen werden durch Kennziffern dieser Gebiete aufgrund von Ökonomie oder Geographie erklärt.

Solche Theorien sind häufig gut Messbar, weisen aber einen hohen Grad der Verallgemeinerung und eine hohe Unvollständigkeit auf und müssen im Rahmen ihrer Erklärungsansätze mit einer Vielzahl von Paradoxien und unerklärten Phänomenen auskommen.

Die mikrotheoretischen Ansätze rücken den Fokus viel mehr auf die individuelle Ebene.

Der Push-Pull-Ansatz der Makrotheorien wurde sozusagen auf Entscheidungen individueller Akteure angewendet.

Der Nachteil eines solchen vertieften mikrotheoretischen Modells ist, dass es kaum in eine präzise Formel umzusetzen ist.

Demnach ist ein Wechsel festzustellen der nicht nur das Interesse an Migration und Bewegung in das Zentrum der Ethnologie rückt sondern ebenfalls ein Wende zu verbuchen die makrotheoretische Ansätze ablehnt und  bei Migration sowie Bewegungen die individuelle Ebene mit einbezieht.

In meinem Kurzreferat zur Sitzung vom 5.12.2016 habe ich mich mit „Social Remittances“ beschäftigt. Peggy Levitt hat zu ihrer Forschung im US-amerikanischen Bosten sowie in Miraflores der dominikanischen Republik gearbeitet. Die Forschungsarbeit bezieht sich auf Institutionen in den Bereichen der Religion, Politik und Gesellschaftsorganisationen. Social Remittances“ ist ein konzeptuelles Werkzeug um kulturelle Verbreitungen auf einer lokalen Ebene zu analysieren. Der Prozess der kulturellen Verbreitung zeichnet sich durch unterschiedliche Übertragungsmöglichkeiten sowie Übertragungsakteure  aus. Ziel ist es soziale Auswirkungen von Migration aufzeigen. Die „Social Remittances“ dienen der Formierung bei transnationalen Kollektiven und können ein potenzieller Unterstützer für Gesellschaftsentwicklungen sein. Ein klarer Vorteil dieser Art von kultureller Verbreitung besteht in der Vertrautheit zwischen Sender*in und Empfänger*in.

Eine weitere Erkenntnis ist die Entstehung und Funktion von konstruierten transnationalen sozialen Räumen durch das Beispiel von transnationalen Familien. Zunächst muss die historisch eurozentrische Verwandtschaftsethnologie aufgebrochen werden. Erste Erkenntnis war somit dass, Verwandtschaften und Familien konstruierte und soziale Gefüge sind welche biologisch und nicht-biologisch verstanden werden können. Die Familie wird über Staatsgrenzen hinaus als Raum verstanden, die Identität ist demnach nicht an einen geographischen Raum gebunden. Die Konstruktion dieses Raumes wird von räumlicher Dynamik (geographische Lage beeinflusst persönliche Beziehungen, Rollen und Identitäten zwischen den Mitgliedern), zeitlicher Dimension (Individueller Lebensabschnitt, Zeitpunkt, Alter und Geschlecht können die Beziehungen zwischen den Mitgliedern sowie Entscheidung zu Migration beeinflussen) und praktischer Realität (Materielles Vermögen und Gesetzeslage können die Entscheidung zur Migration und der Aufrechterhaltung des Kontaktes beeinflussen) beeinflusst.

In der Lektüre “Agency and the Making of Transient Urban Spaces: Examples of Migrants in the City in the Pearl River Delta, China, and Dhaka, Bangladesh. Population, Space and Place” liegt das Hauptaugenmerk auf der Raumgestaltungsmöglichkeit von Migrant*innen im urbanen Kontext. Ein fernes Beispiel vom geographischen Punkt Köln betrachtet, was für mich zunächst zum umfallenden Sack Reis wurde. Jedoch auch auf aktuelle Stadtplanungsstrukturen der Stadt Köln zurückzuführen ist. Denn durch mehrere Großbauprojekte vertreibt die Stadt Köln die dort lebenden und wirkenden Menschen. Das Autonome Zentrum Köln versucht in den Bauplan „Stadtpark Süd“ (http://www.ksta.de/koeln/innenstadt/az-an-der-luxemburger-strasse-autonome-in-koeln-werben-fuer-ihr-zentrum-25692336) einzuwirken, wird bisher allerdings von der Stadt Köln ausgeschlossen und muss mit einer Räumung Ende 2018 rechnen. Hier zeigt sich ganz klar wer über die Gestaltung von Raum und Leben entscheidet. So haben ebenfalls seit Jahren Bauwagenprojekte (http://wemgehoertdiewelt.blogsport.de) in der Stadt Köln mit Räumungen zu kämpfen. Es wird trotz mangelndem Wohnraum, seitens der Stadt, keine alternative zum Konzept Wohnen und Leben zugelassen.

Ob sich die Ethnologie in naher Zukunft mit dem gleichen Migrationsausmaß beschäftigen kann wie zur Zeit, werden die staatlichen Wahlergebnisse des globalen Norden zeigen. Durch die Wahlen in den USA haben sich bereits die Bewegungsmöglichkeiten, wenn bisher auch nur für einen kurzen Zeitraum, von muslimisch Gläubigen Menschen eingeschränkt.

Feetback

Ich empfand die Raumbedingungen sehr einengend und lud nicht zum Denken ein, außerdem wäre die Idee einen Stuhlkreis zu bilden wahrscheinlich anregender für Diskussion gewesen. Der Arbeitsaufwand dieses Seminars war lese und schreib intensiver als andere Seminare. Jedoch förderten die wöchentlichen Blogeinträge eine tiefere Auseinandersetzung mit der Lektüre, die Schreibkompetenz und das Bilden einer eigenen Meinung zum Thema.

Quellen:

Bork-Hüffer, T., Etzold, B., Gransow, B., Tomba, L., Sterly, H., Suda, K., Flock, R. (2016). Agency and the Making of Transient Urban Spaces: Examples of Migrants in the City in the Pearl River Delta, China, and Dhaka, Bangladesh. Population, Space and Place, 22(2), 128-145.

Pries, L. (2002): Transnationalisierung der sozialen Welt? Berliner Journal für Soziologie, 12(2), 263-272.

Bryceson, D., Vuorela, U. (2002): The Transnational Family –New European Frontiers and Global Networks. New York: Berg

Lowry, I.S. (1966): Migration and Metropolitan Growth: Two Analytical Models. San Francisco

Massey, D. S., Arango, J., Hugo, G., Kouaouci, A., Pellegrino, A., & Taylor, J. E. (1994): An Evaluation of International Migration Theory: The North American Case. Population and development Review, 699-751.

Peggy, L. (1998): Social Remittances: Migration Driven Local-Level Forms of Cultural Diffusion. The International Migration Review, 32 (4) 926-948

Sheller, M. & Urry, J. (2006). The new mobilities paradigm. Environment and Planning A, 38, 207-226.

 

 

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