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Flucht, Vertreibung und Umsiedelung

9. Januar 2017 - Blog, Lernblog, Shelf life, Studienleistungen

Vor allem das Thema der Sprache und des Sprachgebrauchs in der Öffentlichkeit und die Rolle der Ethnologie in der Öffentlichkeit waren Thema der Diskussion am 19.12.16, mit dem Stundenthema: Flucht, Vertreibung und Umsiedelung. Als Pflichtlektüre wurde der Text Forced Migration and the Anthropological Response gelesen. Er wurde 2003 von Elizabeth Colson verfasst. Einige konkrete Diskussionsfragen der Stunde waren: Wie verändert Sprache unsere Wahrnehmung? Welche Alternativen gibt es zum Begriff ‚Flüchtlinge‘? Welche Rolle spielt die Ethnologie in der Fluchtdiskussion? Inwieweit sollte sich die Ethnologie stärker an öffentlichen Diskussionen beteiligen?

Die Sprache beeinflusst sehr stark unsere Wahrnehmung von unterschiedlichen Themen. In der seit 2015 umstrittenen öffentlichen Debatte zum Thema Migration wird die Wirkung von Sprache deutlich. Wenn von Flüchtlingswellen oder Flüchtlingsströmen die Rede ist, werden automatisch negative Assoziationen einer Umweltkatastrophe erzeugt. Somit sieht man dem Ganzen eher negativ entgegen und betrachtet es als Problem (wenn auch zu Teil nur unterbewusst). Sollte das Wort Flüchtlinge überhaupt noch benutzt werden oder verwendet man lieber das Wort Geflüchtete oder Flüchtende? Bedeutet das Suffix ‚ling‘ eine Verniedlichung? Einen weiteren Aspekt der Sprache, den wir diskutierten, war der Genderaspekt. Das Wort Flüchtlinge, wie es immer noch überwiegend genutzt wird, bezeichnet ausschließlich die maskuline Form. Also wäre rein aus der Genderperspektive das Wort Geflüchtete bzw. Flüchtende angemessener.

Der Text von Colson wurde schon vor über einem Jahrzehnt mit fortschrittlichen Gedankenansätzen geschrieben. Wieso fand seit diesem Zeitpunkt kaum ein Umdenken statt? Geflüchtete werden, wie sie es beschreibt, entmenschlicht. Sie werden kaum mehr als individuelle Menschen wahrgenommen. Sie sind nur durch ihre Notlage bekannt und werden somit ausschließlich als Opfer wahrgenommen. Sie sollten nicht nur als Geflüchtete, sondern in ihrer Gesamtheit als Menschen betrachtet werden. Die Ethnologie in Deutschland sollte sich bei solchen Problematiken stärker in der Öffentlichkeit positionieren. Doch wer bildet ‚die‘ Ethnologie? Seit 2011 gibt es Krieg in Syrien. Hätte man als Ethnologie die Immigrantenzahlen vorhersehen können bzw. schon früher das öffentliche Bewusstsein darüber aufklären sollen? Im Vergleich zu den USA fehlt in Deutschland der Bereich der Applied Anthropology. In den USA hat die Anthropologie einen anderen Stellenwert. Anthropologen sind dort weitaus stärker in der öffentlichen Debatte präsent.

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