Menu

The Triangle of Development, Migration and Organised Violence in the Americas

19. Dezember 2016 - Blog, Lernblog, Studienleistungen

Am 14.12.16 wurde von Ludger Pries ein Vortrag mit dem Titel The Triangle of Development, Migration and Organised Violence in the Americas gehalten. Im Vortrag ging es überwiegend um Flucht als eine Art der Migration, das heißt, Migration aus Zwang. Gegliedert war der Vortrag in drei Teile: die neue globale Herausforderung, Zentral- und Nordamerika und Europa und seine Nachbarn.

Die neue globale Herausforderung besteht darin, die Ursachen, die zur Flucht führen, zu bekämpfen. Ein großer Faktor ist hierbei die öffentliche Sicherheit, die in vielen Gebieten nicht gegeben ist. 2015 mussten 24 Menschen pro Minute fliehen, vier Mal so viele wie 2005. Organisierte Gewalt (anhaltende, gewalttätige Geschehnisse) spielt neben mangelhafter Entwicklung eine sehr große Rolle in Bezug auf Migrationsbewegungen.

Mittelamerika ist stark von organisierter Gewalt betroffen. Mit der Prohibition in den USA und US-Interventionen stieg sie weiter an. Durch Kartelle werden zum Beispiel in Mexiko Migrationsbewegungen ausgelöst bzw. verstärkt. Zu beobachten ist, dass Provinzen mit hoher Kartellaktivität eine hohe Migrationsrate haben; sowohl mit dem Ziel des Inlands, als auch des Auslands.

Im Vergleich zu 2015 sanken die Migrationszahlen nach Europa deutlich im Jahr 2016. Gründe dafür sind jedoch nicht etwa zurückgehende Immigrationszahlen, sondern zum Beispiel strengere Kontrollen oder Abkommen (wie mit der Türkei). Auch die Einstufung Algeriens, Tunesiens und Marokkos als sichere Länder senkt die Zahlen in Europa bleibender Migranten. Erst seit 2015 mussten sich auch Länder wie Deutschland intensiver mit der Migrationsfrage auseinandersetzen. In vorherigen Jahren, als Gebiete wie die Kanarischen Inseln, Südspanien und Italien Ziel von Immigranten waren, wurde die Verantwortlichkeit ausschließlich auf diese Gebiete gelenkt, die zusätzlich in ihrer Handhabung mit der Situation kritisiert wurden.

Den Eintritt von Geflüchteten zu beschränken, stoppt Migrationsbewegungen nicht. Als Folge werden gehäuft illegale Routen für die Migration gewählt. 2016 starben mehr Menschen im Mittelmeer als 2015, obwohl die Zahlen der Immigranten zurückgingen. Menschen, die fliehen müssen, beschäftigen sich nicht umfassend mit dem Gesetz des Ziellandes, sondern fliehen, um den Zuständen des Herkunftslandes zu entkommen. Syrische Geflüchtete befinden sich oft in einer besseren ökonomischen Position als andere Geflüchtete. Sie migrieren jedoch vor allem aufgrund organisierter Gewalt in Syrien. Als wichtiges Fazit betonte Ludger Pries die Verflechtung von organisierter Gewalt, Entwicklung und Migration. Diese Dreiecksbeziehung muss als Ganzes betrachtet werden.

One thought on “The Triangle of Development, Migration and Organised Violence in the Americas

mleitmei

Besonders spannend finde ich, dass in den deutschen Medien der Anschein erweckt wird, als müsse Deutschland sich erst seit kürzester Zeit „aktiv“ damit auseinandersetzen, wie ankommende Menschen am besten unterstützt und aufgefangen werden können, obwohl das Thema Flucht kein neues Phänomen ist. Dass darüber hinaus die europäischen Länder die Verantwortung für die „Flüchtlingskrise“ systematisch an die Nachbarländer weitergeben, ohne wirklich hilfestellende Maßnahmen zu ergreifen, nannte Pries eine politische „organised non-responsibility“ – so wie Deutschland Italien für die Regelung der Grenzkontrollen kritisiert wird, hat Ungarn zuletzt Deutschland beschuldigt. Gegenseitige Schuldzuweisungen finden auf globaler und lokaler Ebene statt und das gilt es in der Beschäftigung mit dem Thema im Hinterkopf zu behalten, besonders wenn man – so wie zum Beispiel ich – aus einer privilegierten Position heraus spricht. Die meisten Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit haben die Wahl, ob sie sich mit Thematiken wie Krieg und Flucht auseinandersetzen wollen, weil die wenigsten durch persönliche Erfahrungen betroffen sind. Das spiegelt sich in vielen Gesprächen wider. Die affektiv aufgeladene mediale Berichterstattung – die vermeintlich als „neutral“ wahrgenommen wird – macht es so schwierig darüber zu sprechen. Mir fehlen selbst häufig Statistiken, an denen ich Argumente festmachen kann, wenn es zum Beispiel um die weit verbreitete Angst geht, dass für ankommende Menschen aufgrund ihrer Masse kein Platz sei. Deshalb hat es mir gut gefallen, dass Pries sich unter anderem auf Grafiken des UNHCR bezogen hat, die regelmäßige Updates über aktuelle mediterrane Seerouten geben.
Das ist der Link dazu: http://data.unhcr.org/mediterranean/regional.php

Gegen Ende seines Vortrages hat er außerdem auf eine aktuelle Studie (2015) von Cummings, Pacitto, Lauro und Foresti hingewiesen („Why people move: Understanding the drivers and trends of migration to Europe“), in der anderem darauf eingegangen wird, welchen Stellenwert transnationale Netzwerke während einer Flucht einnehmen können.
Dabei musste ich an die Sitzung zurück denken, in der wir über transnationale Räume gesprochen haben, die während Migrationsbewegungen entstehen und in der heutigen Zeit sehr durch moderne Kommunikationsmedien und soziale Netzwerke in Form von Smartphones mit Internetzugang geprägt sind.
Zu dieser Thematik kann ich die Dokumentation „Erstickt im LKW, das Ende einer Flucht“ empfehlen. Es wird aufgezeigt wie es innerhalb eines Kreislaufs kriminell organisierter Fluchtwege dazu kommen musste, dass 71 Menschen im letzten Sommer auf ihrer Flucht nach Deutschland bzw. Österreich in einem LKW verstorben sind und warum es sich dabei nicht um einen Einzelfall handelt.
Hier ist der Link: http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Die-Story-im-Ersten-Erstickt-im-Lkw-D/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=37295658

Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*