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Wird die Welt für alle schneller und kleiner? Zeit-Raum-Kompression

22. November 2016 - Blog, Lernblog, Studienleistungen

Ist die Möglichkeit Mobilität und Kommunikation „grenzenlos“ und global Nutzen zu können eine Manifestierung der Macht von einzelnen privilegierten Personen und Gruppen? Kann die Fahrt mit dem Auto zum Arbeitsplatz, als eine Einschränkung der Mobilitätsfreiheit anderer Individuen verstanden werden, da die Autofahrer*innen nicht in den öffentlichen Nahverkehr einzahlen und es somit an finanziellen Mitteln fehlt?

Im folgenden Text geht es um die Frage in wie weit Mobilität und Kommunikation als Werkzeug zur Manifestierung von Macht genutzt wird. Es entstehen eine Menge Fragen die ich unbeantwortet lassen möchte.

Um einen Text in diesem Umfang zu schreiben reicht eine halbe Stunde. Soll der Text jedoch anspruchsvoll sein und die unterstützende Lektüre immer wieder zur Hand genommen wird muss mehr Zeit als eine halbe Stunde investiert werden.

Doch wie kann ich in Zeit investieren? Wenn ich 10 € zahle bekomme ich im Gegenzug 10 Minuten mehr Lebenszeit? Nein, es ist (noch) nicht möglich Zeit zu kaufen. Jedoch ist es aufgrund der wirtschaftlichen Strukturen des Kapitalismus durchführbar, Arbeiten an andere weiterzugeben um selbst Zeit für andere Ding zu haben. Nichtsdestotrotz, führt der Erwerb von Dienstleistungen nicht zur Verlängerung der Lebenszeit. Zeit hat sich demnach zu einer Ware entwickelt weshalb von einer Investition gesprochen werden kann. Internationale, nationale und regionale Firmen werben mit der Ware Zeit. Das anzubietende Produkt oder die Dienstleistung spart dem/r Käufer*in Zeit. Die gewonnene Zeit kann in die schönen Dinge des Lebens investiert werden. Ich kaufe mir also einen Waschmaschine weil, das Waschen ohne Maschine viel Zeit und Kraft kostet. Ich installiere die neuste und schnellste Internetverbindung, um bei World of Warcraft handlungs- und reaktionsfähiger zu sein. Ich wähle eine Partei die damit wirbt dass, den Verkehrschaos in meiner Stadt zu beseitigen und den Wähler*innen verspricht keine Zeit mehr im Stau zu verlieren.

Haben alle diese Möglichkeiten in Zeit zu investieren? Haben alle die finanziellen und infrastrukturellen Möglichkeiten neuste Technologien zu nutzen? Leben alle in einer Demokratie, in der Bürger*in über das Tempo und den Ausbau einer Gesellschaft entscheiden können?

Wir leben in einem Zeitalter in dem es möglich ist innerhalb von mehreren Stunden von Paris nach New York zu fliegen. Noch vor 100 Jahren wurden für die Überfahrt mit dem Schiff mehrere Tage benötigt. Wenn wir für eine zurückzulegende Strecke weniger Zeit benötigen und ich spreche nicht von Minuten sondern von Tagen, verkleinert sich die Wahrnehmung des Raumes in dem sich die Strecke befindet, also eine Zeit-Raum-Kompression. Die Zeit und der Raum werden sozusagen zusammengepresst, wodurch sich der zeitliche Druck erhöht und sich das räumliche Volumen verkleinert. Demnach müsste sich die Welt heute durch die technischen Möglichkeiten räumlich verkleinert haben. Hat sie natürlich nicht aber es ist einfacher geworden fern entlegener Orte zu Besuchen.

 

Der Zugang zu Mobilität und Kommunikation ist sehr variabel. Einige haben größere Möglichkeiten als andere. Einige initiieren Mobilität und Kommunikation, andere nehmen teil. Die Personen und die Gruppen die förmlich die Mobilität und Kommunikation gestaltet sind meist einflussreiche Menschen die in den Medien arbeiten und international Vernetzt sind. Menschen die an internationalen Konferenzen teilnehmen oder Menschen die internationale Investitionen organisieren. Genau diese „Weltbürger*innen“ können die Zeit-Raum-Kompression wirklich zu nutzen. Es bestehen also hoch komplexe soziale Unterschiede, in den Gegebenheiten von Mobilität und Kommunikation aber auch im Stand von Kontrolle und Initiation.

Es ist nicht nur eine Frage der ungerechten Verteilung an Möglichkeiten. Es besteht die Gefahr, dass die „grenzenlose“ Mobilitäts- und Kommunikationsmöglichkeit einiger weniger andere schwächt. Ein Langstreckenflug der ohne Zwischenstopps sein Ziel erreicht, isoliert wohlmöglich Regionen die früher zur Zwischenlandung genutzt wurden. Das Fahren mit individual Verkehr entzieht dem öffentlichen Nahverkehr einnahmen. Diese könnte dazu führen dass, sich gewisse Gruppen räumlich verschanzen. Globalisierung beinhaltet demnach nicht immer Humanisierung.

 

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