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Mobilität als neues Paradigma

14. November 2016 - Blog, Handout, Moderationen, Prüfungsleistungen

Pflichttext: Sheller, Mimi & Urry, John (2006). The new mobilities paradigm. In: Environment and Planning A 38: 207-226.

Referatstext: Peters, Rebecca Warne (2013). Development Mobilities: Identity and Authority in an Angolan Development Programme. In: Journal of Ethnic and Migration Studies 39,2: 277-293.

Weiterführende Lektüre: Cresswell, Tim (2010). Towards a Politics of Mobility. In: Environment and Planning D: Society and Space 28: 17-31

Zusammenfassung von “The new mobilities paradigm”

Sheller und Urry plädieren in ihrem Artikel für ein Paradigma der neuen Mobilitäten, um über angemessene Theorien und Methoden für den Umgang mit der steigenden Geschwindigkeit und Relevanz von Mobilität zu verfügen.

In den letzten Jahrzehnten ist die globale Mobilität von verschiedenen Personengruppen wie von Gütern stark gestiegen und Kommunikationstechnologien nehmen einen zentralen Raum im Alltag vieler Menschen ein. Angesichts dieser Entwicklungen sehen Sheller und Urry die Zeit gekommen für ein neues, postdisziplinäres Paradigma, das alle Disziplinen betrifft, die sich mit Mobilität und Bewegung von Menschen und Dingen im weitesten Sinne befassen: das Paradigma der neuen Mobilitäten (new mobilities paradigm).

Notwendig ist diese neue Paradigma aufgrund eines übermäßigen Hangs zum Statischen in den Sozialwissenschaften. Sie kritisieren Tendenzen zu sesshaften Theorien, die Entfernung, Veränderung und Ortlosigkeit zugunsten von Stabilität und Verortung abwerten.  Das Paradigma der Mobilitäten dagegen nimmt die Perspektive ein, dass Menschen schon von jeher in Bewegung waren und deswegen jeder Ort zumindest in ein schwaches Netzwerk mit anderen Orten eingebunden ist. Mit ihrem Ansatz möchten sie eine Herangehensweise jenseits von statischen Strukturen wie Staaten und Nationen, sowie geographischen Grenzen bieten, die jedoch keine alles dominierende reduktionistische Beschreibung der Welt sein will, sondern lediglich neue Fragen, Theorien und Methodologien zur Verfügung stellen möchte. Gleichzeitig gestehen sie zu, dass eine wachsende Deterritorialisierung von einer zunehmenden Reterritorialisierung begleitet ist, da die wachsende globale Mobilität immobiler Infrastrukturen bedarf. Zusätzlich verwahren sie sich gegen eine Romantisierung von Mobilität, die die globalen Ungleichheiten in dieser Hinsicht verkennt.

Die Autoren sprechen von ‚Mobilitäten‘, da sich ihr Verständnis des Konzepts nicht auf physische Mobilität jeglicher Form beschränkt, sondern auch die Bewegungen von Informationen, sowie das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Mobilitäten einschließt.

Theoretische Quellen für ihren neuen Ansatz finden Sheller und Urry erstens bei dem Soziologen Georg Simmel, der sich bereits um die Jahrhundertwende mit dem erhöhten Tempo des urbanen Lebensstils beschäftigte und dabei Beobachtungen formulierte, die heute noch aktuell scheinen. Weiter möchten sie schöpfen aus der Forschung:

Neue Methoden, die sie für die Erschließung dieser Fragestellungen vorschlagen, umfassen:

Wie ihr Paradigma konkret umgesetzt werden kann, demonstrieren sie anhand von Überlegungen zum Beispiel „Flughafen“. Abschließend reißen sie einige Trends in der Entwicklung von Mobilitäten an und unterstreichen damit die Relevanz des Paradigmas. Dazu gehören die erhöhte Geschwindigkeit von Verbindungen durch immer neue Technologie, die digitalen Spuren, die privilegiert Reisende weltweit hinterlassen, sowie die zunehmende Existenz jenseits des eigenen Körpers durch das Internet.


Diskussionsfrage mit Blick auf das Referat:

Wie unterscheidet sich Peters Ansatz der Mobilitätsregime von den neuen Mobilitäten?


Diskussionsfragen zum new mobilities paradigm und Mobilität als konzeptionelles Rahmenwerk:


Was hat Euch an Shellers und Urrys Darstellung der neuen Mobilitäten überzeugt?


Welche der vorgeschlagenen Methoden haltet Ihr für besonders nützlich/praktikabel?


„Sometimes, though, the analysis of mobilities suggests that we need to move beyond network topologies, to also consider topologies that may be more fluid, gel like, or even flickering like fire […]“ (Sheller & Urry 2006, 216)

„This set of changes thus produces novel and ‚flickering‘ combinations of presence and absence of people, enemies and friends […] Methods and theories will need to be ever on the move to keep up with these new forms of mobilities, new systems of scheduling and monitoring, and new pervasive modes of mobilised social inclusion/exclusion […]” (Sheller & Urry 2006, 222; sic!)

Müssen wir vielleicht auch Grenzen dessen, was beobachtbar ist, zugestehen?


Welche Aspekte des Paradigmas möchtet Ihr kritisieren?

Vorschläge:

„Theories of a ‘liquid modernity’ (Baumann 2000) usefully redirect research away from static structures of the modern world to see how social entities comprise people, machines, and information/images in systems of movement.” (Sheller & Urry 2006, 210)

„Much that passes for mobilities research has a flavour of technophilia and the love of the new about it.” (Cresswell 2010, 28)


Wo seht Ihr primäre Anwendungsgebiete und wo die Grenzen des Paradigmas für die Ethnologie?


„Mobilities also include movements of image and information on local, national, and global media. The concept embraces one-to-one communication […], as well as many-to-many communications […]” (Sheller & Urry 2006, 212)

Inwiefern haltet ihr es für sinnvoll Kommunikation als Aspekt von Mobilität zu betrachten?


Links aus der Präsentation:

Air traffic in 24 hours

Global Passport Power Ranking

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