Felicitas Arnold und Ulla Illerhaus zu Gast

Beim dritten Termin des literaturdidaktischen Kolloquiums stand das Kinderhörspiel als literarisches Medium im Mittelpunkt. Den Auftakt gestalteten die Dramaturginnen Ulla Illerhaus und Felicitas Arnold vom WDR-Hörspiel, die gemeinsam das Kinderhörspielprogramm, das sogenannte Maus-Hörspiel, betreuen. Anhand der Hörspieladaption Krabat und der Originalproduktion Überüberübermorgen gaben sie einen anschaulichen Einblick in die Entstehung eines Hörspiels und ihre dramaturgische Arbeit. Dabei wurde deutlich, wie literarische Stoffe für das auditive Medium entwickelt werden und welche Rolle Dramaturgie, Regie, Sprecher:innen, Musik und Sounddesign bei der Gestaltung einer eigenständigen Hörspielproduktion spielen. Zugleich eröffneten sie einen Blick hinter die Kulissen des öffentlichen Rundfunks und vermittelten eindrucksvoll, wie viele gestalterische Entscheidungen notwendig sind, damit aus einem Text ein vielschichtiges Hörerlebnis entsteht.

Im anschließenden Fachimpuls ordnete Dilara Demirdögen das Kinderhörspiel aus literaturwissenschaftlicher und literaturdidaktischer Perspektive ein. Ausgehend von der Frage, was sich eigentlich verändert, wenn Literatur nicht gelesen, sondern gehört wird, wurden zunächst grundlegende Merkmale und Entwicklungslinien des Kinderhörspiels skizziert. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere die auditiven Gestaltungsmittel des Hörspiels und ihr Zusammenspiel innerhalb der sogenannten Sonosphäre. Anhand ausgewählter Hörbeispiele aus Überüberübermorgen, Rico, Oskar und die Tieferschatten sowie Die unendliche Geschichte wurde exemplarisch gezeigt, wie Sprache, Stimme, Geräusche, Musik und Raumklang narrative Funktionen übernehmen, erzählerische Ebenen strukturieren und literarische Bedeutung erzeugen.

Den Abschluss bildete ein von Michael Staiger moderiertes Gespräch mit Ulla Illerhaus, Felicitas Arnold und Dilara Demirdögen. Im gemeinsamen Austausch wurden die theoretischen Überlegungen des Fachimpulses mit den praktischen Erfahrungen aus der Hörspielproduktion verknüpft. Diskutiert wurden unter anderem die besonderen Möglichkeiten des auditiven Erzählens, die Gestaltung von Figuren und Klangwelten sowie die Potenziale des Kinderhörspiels für literarisches Lernen. So eröffnete der Abend vielfältige Perspektiven auf das Hörspiel als eigenständige Kunstform und literarisches Medium.