Lehrveranstaltungsangebot SoSe 2026

Neues Semester, neue Lehrveranstaltungen! Ein Überblick über die aktuellen Lehrtätigkeiten der AG Literatur – Bild – Medium:

Das Bilderbuch im Deutschunterricht: Theorie und Praxis literarästhetischen Lernens (2 Blockveranstaltungen) – Dilara Demirdögen
Literarisches Lernen bezieht im Kontext einer ästhetischen Erziehung das Lernen, Erleben und Erschließen mit verschiedenen Sinnen ein und ist immer prozessorientiert. Ausgehend von zeitgenössischen Bilderbüchern sowie deren Analysen sollen im Laufe dieses Praxis-Seminars spielspezifische und sinnlich-gestalterische Interpretationen in Form von digitalen oder analogen Anschlusshandlungen entwickelt, didaktisch aufbereitet und praktisch evaluiert werden. Dabei können sowohl schrift- und verbalsprachliche als auch visuelle, körperliche und akustische Verfahren für die individuelle Text-, Film-, Bild-, Ton-Produktion angewendet werden.
Die wissenschaftliche und didaktische Grundlage bildet ein dreitägiger Theorieblock, der auf die eigenständige Reihenplanung vorbereitet. Die Reihen werden anschließend im Rahmen einer Zwischenreflexion vorgestellt und modifiziert, bevor sie im Juni/Juli 2026 an drei Tagen an unserer Kooperationsschule durch die Seminarteilnehmer:innen selbst durchgeführt werden. Das Seminar schließt mit einem letzten Blocktermin zur kritischen Reflexion der Praxiserfahrungen.

Digital gestützte Leseförderung – Zwischen kommerziellen Angeboten und eigenem Design – Marc Kudlowski
Digitale Medien eröffnen neue Möglichkeiten der Leseförderung – zugleich wächst die Anzahl kommerzieller Lernplattformen, Apps und Online-Tools stetig. Doch wie wirksam sind diese Angebote wirklich? Und wie können eigene digitale Angebote sinnvoll und lernwirksam gestaltet werden?
Ausgehend von diesen Fragen setzen wir uns in diesem Seminar mit digitalen Formen der Leseförderung auseinander. Im Zentrum stehen sowohl die Analyse bestehender kommerzieller Produkte als auch die Entwicklung eigener didaktischer Designs. Dabei werden medien- und lesedidaktische Grundlagen vermittelt, Kriterien zur Bewertung digitaler Leseförderangebote erarbeitet und konkrete unterrichtliche Anwendungsszenarien entworfen – und bestenfalls erprobt.

Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft Michael Staiger
Das Einführungsseminar legt den Fokus auf die Vermittlung von literaturwissenschaftlichen Begriffen, Theorien und Konzepten als Grundlage für die Erschließung von literarischen Texten und damit verbunden auf die systematische Einübung literaturwissenschaftlicher Arbeitsweisen. Im Zentrum stehen somit die theoretisch fundierte Diskussion und die praktische Anwendung zentraler literaturwissenschaftlicher Grundbegriffe und Herangehensweisen an Texte (Literaturbegriff, Literarische Kommunikation, Literarische Wertung, Epoche, Gattung, Ansätze der Literaturtheorie, Erzähltextanalyse, Lyrikanalyse, Dramenanalyse, Filmanalyse). Die literarischen Texte, die exemplarisch herangezogen werden, entstammen verschiedenen Epochen, so dass im Seminar zugleich auch literaturgeschichtliche Entwicklungen nachvollzogen werden.

Kombivorlesung Deutschdidaktik – Michael Staiger
Die Vorlesung gibt in zwei Blöcken einen Überblick über zentrale Themenbereiche der Fachdidaktik Deutsch und führt in grundlegende Fragestellungen ein. Im literaturdidaktischen Vorlesungsteil werden die Themenbereiche Textauswahl (Kanon), Methoden des Literaturunterrichts, Lesekompetenz / Literarische Sozialisation mit Blick auf PISA, Literarisches Lernen und Medienkompetenz, sowie interkulturelle Literaturdidaktik behandelt.

Literarische Materialität im Zeitalter der KI. Didaktische Perspektiven – Ben Dammers
Generative KI verändert gegenwärtig in rasanter Weise den Umgang mit literarischen Texten. In vielen didaktischen und bildungspolitischen Debatten erscheint Literatur dabei vor allem als algorithmisch verarbeitbare Zeichenfolge: Texte werden analysiert, zusammengefasst oder erzeugt, als seien sie primär lineare Datenstrukturen. Was dabei häufig aus dem Blick gerät, ist eine zentrale Dimension literarischen Handelns: die Materialität und Leiblichkeit des Textes.
Das Seminar setzt an dieser Leerstelle an. Es geht von der Beobachtung aus, dass literarische Texte nicht nur gelesen, sondern räumlich wahrgenommen, körperlich gehandhabt und visuell organisiert sind. Typografie, Seitenarchitektur, Buchkörper, Blickbewegungen und das Blättern der Seiten sind keine beiläufigen Begleiterscheinungen, sondern konstitutive Bedingungen literarischer Erfahrung. Kultur- und medienwissenschaftliche Ansätze haben diese Dimension im Zuge des sogenannten material turn intensiv reflektiert; in der Literaturdidaktik ist sie bislang jedoch nur randständig präsent – insbesondere im Umgang mit schriftbasierter Literatur.
Vor dem Hintergrund des Einsatzes generativer KI gewinnt diese Perspektive neue Relevanz. KI-basierte Verfahren reduzieren literarische Texte zwangsläufig auf lineare Zeichenketten und blenden deren räumlich-sinnliche Infrastruktur aus. Damit geraten gerade jene literarischen Formen und Werke aus dem Blick, die mit der Materialität und Topografie des Buchraums selbst arbeiten, etwa materialreflexive Romane, Comics oder Bilderbücher. Das Seminar fragt daher, welche literarischen Erfahrungen durch KI-basierte Textverarbeitung unsichtbar werden – und welche didaktischen Konsequenzen sich daraus ergeben.
Im Seminar werden ausgewählte theoretische Perspektiven zu Schriftbildlichkeit, Buchraum und diagrammatischer Ikonizität mit materialnahen Analysen konkreter Texte verbunden. Studierende arbeiten mit gedruckten und digitalen Texten, vergleichen leiblich-räumliche Lektüre mit KI-vermittelter Textverarbeitung und reflektieren die Möglichkeiten und Grenzen KI-gestützter Verfahren im Literaturunterricht. Ziel ist es, eine Didaktik literarischer Materialität zu entwickeln, die der Entkörperlichung literarischer Prozesse im KI-Zeitalter eine bewusst verkörperte Lektürehaltung entgegensetzt.

Leseforschung und Lesedidaktik – Michael Staiger
Lesen ist eine der wichtigsten Kulturtechniken des Menschen und Lesekompetenz ein Schlüssel zu Bildung, Wohlstand und politisch-gesellschaftlicher Teilhabe. Im Umgang mit fiktionaler Literatur dient Lesen darüber hinaus der Unterhaltung und dem Genuss, es ermöglicht ästhetische Erfahrungen. Seit dem „PISA-Schock“ im Jahr 2000 und den teils alarmierenden Ergebnissen deutscher Schüler*innen in nachfolgenden Studien stellt sich nachdrücklich die Frage, wie die Vermittlung und Förderung von Lesekompetenzen im schulischen Kontext gelingen kann.
Im Hauptseminar erarbeiten wir gemeinsam zentrale Konzepte der Leseforschung und reflektieren den Wandel des Lesens im Rahmen der gegenwärtigen Transformation hin zu einer digitalen, multimodal dominierten Medienkultur. Darauf aufbauend werden Ansätze und Methoden der Leseförderung und Lesedidaktik erprobt und kritisch hinterfragt.

Literatur und Leiblichkeit – Hannah Tenhaef
In diesem Seminar wollen wir aus zwei Perspektiven auf das Zusammenspiel von Literatur und Leiblichkeit blicken:
1.Wie werden Körper in Literatur verhandelt? Wie werden Prozesse der Sozialisierung und auch der Diskriminierung, des sog. Otherings über Körper literarischer Figuren erzählt? Hier nutzen wir kulturwissenschaftliche „Linsen“ (insbesondere Gender und Class), um Ausschnitte aus verschiedenen Primärwerken diversitätssensibel zu durchleuchten.
2.Wie bestimmt unser Leib (vgl. Merleau-Ponty), wie wir die Welt und Literatur wahrnehmen? Wie erleben und handeln wir mit literarischen Gegenständen und wie können diese Tätigkeiten zur Grundlage eines inklusiven Literaturunterrichts werden? In der Auseinandersetzung mit multimodalen Gegenständen und mehrsinnlichen Arrangements vertiefen Sie hier ihr literaturdidaktisches Wissen und werden angeleitet, didaktische Analysen und Impulse zu entwickeln, die Schüler*innengruppen mit diversen Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsweisen in den Blick nehmen.

Literarisches Erstlesen – Ben Dammers
Die Entwicklung literarischer Kompetenz beginnt nicht erst mit dem Prozess, der meist gemeint ist, wenn von Schriftspracherwerb die Rede ist. Zwar ist das Dechiffrieren von Schriftzeichen Voraussetzung für das selbstständige Lesen schrifthaltiger Literatur, Erfahrungen von Literarizität sind jedoch weder an das Medium Schrift noch an selbstständige Rezeption gebunden. Dieser Umstand wird häufig übersehen. Entsprechend verbreitet ist der Trugschluss, literarisches Lernen und ein literarischer Lesemodus könnten erst angebahnt werden, wenn ein bestimmtes Niveau der Lesefertigkeit erreicht ist.
Dies hat weitreichende Konsequenzen. Während in Vorlesesituationen und weitgehend schriftlosen Erzählformen (Film, Hörbuch, Hörspiel, textloses Bilderbuch) bereits vor Schuleintritt literarisch anspruchsvolle Texte rezipiert werden und Literatur selbstverständlich mit Genuss verbunden ist, kommt es mit Beginn des Schriftspracherwerbs häufig zu einem Bruch: Die fehlende Lesefertigkeit erfordert vermeintlich einfache Texte. Die Dominanz dieses Auswahlkriteriums lässt Kriterien wie Literarizität oder inhaltliche Passung in den Hintergrund treten. Lesen geschieht im Anfangsunterricht nicht selten ausschließlich im Rahmen von Lehrgängen; der Text erscheint dabei austauschbar. Lesen droht so zur extrinsisch motivierten Pflichterfüllung zu werden. Besonders fatal ist dies für Kinder, die im vorschulischen bzw. familiären Kontext kaum in den Genuss einer sozial-affektiven Grundlegung literaler und literarischer Entwicklung („Plateau der Emergenz/Interpersonalität“, Garbe et al. 2006) gekommen sind. Zudem berücksichtigen viele Konzepte kaum jene Schüler:innen, die einen erweiterten Zeitrahmen zur Autonomisierung des Lesens benötigen und erst gegen Ende der Grundschulzeit selbstständig lesen können. Konzepte zum Erstlesen müssen daher heute eine breite Altersspanne von etwa 4 bis 10 Jahren adressieren.
Das Seminar erkundet dieses Spannungsfeld und sucht nach Wegen, solche Brüche zu vermeiden. Die Struktur orientiert sich an den Bezugsfeldern des Lesens: Subjekt, Objekt und Situation (vgl. Kosch/Schneider 2025). Ein erster Block widmet sich subjektiven Voraussetzungen und Ressourcen der Altersgruppe zwischen ca. 4 und 10 Jahren, etwa Lese- und Medienhabitus sowie emotionalen, kognitiven und narrativen Kompetenzen. Im zweiten Block wird das Feld potenzieller Erstlesetexte sondiert, darunter Erstlesereihen, Bilderbücher, Comics und Mangas, ergänzt durch einen Exkurs zu audiovisuellen Erzählformen, die in der Kultur der Digitalität häufig als Referenzmedien fungieren. Der dritte Block fokussiert situative Bedingungen: zeitliche und räumliche Voraussetzungen, das Spannungsfeld zwischen sozialer Praxis und Autonomisierung sowie die Rolle von Routinen und Ritualen. Ein vierter Block führt die drei Bezugsfelder zusammen und zielt auf ihre ausgewogene Vernetzung in der „Orchestrierung des Lesens“ (vgl. Yatvin 2000). Das Seminar ist an das Forschungsprojekt LIESL angebunden und umfasst die Arbeit mit authentischen Forschungsdaten (u. a. Blickbewegungen, Gesprächstranskripte, Fragebögen).

Vorbereitung zum Praxissemester – Marc Kudlowski
Auf der Basis der im Bachelor-Studium erworbenen deutschdidaktischen Kenntnisse wird in der ersten Phase des Vorbereitungsseminars das deutschdidaktische Wissen vertieft. Ziel ist es, (a) einen konsolidierenden Einblick in ausgewählte Gegenstandsfelder/Kompetenzbereiche und ihre konkrete Behandlung bzw. Förderung im Unterricht zu erhalten; darüber hinaus sollen (b) mögliche Projekte des forschenden Lernens im Bereich der Deutschdidaktik vorgestellt und das für eine Umsetzung notwendige methodische Wissen etabliert werden.
In der zweiten Phase des Seminars werden sich die Teilnehmer:innen der Profilgruppen in Arbeitsgruppen zusammenfinden und unterstützt von der/dem Dozierenden ihre eigenen, jeweils individuellen deutschdidaktischen Projektvorhaben entwickeln. Nach Kontaktaufnahme mit der zugewiesenen Schule gilt es, das Projektvorhaben auf der Grundlage der schulischen Rückmeldung sukzessive zu spezifizieren und zu konkretisieren. Erfolgreich abgeschlossen wird das Seminar in der Zusammenführung aller Vorarbeiten und Absprachen in einer „Projektskizze Studienprojekt“.