Vom 9. bis 11. März fand an der Universität Münster die Tagung „Diegetische Nobilitierung“ statt. Ausgerichtet wurde diese von Prof. Dr. Sebastian Bernhardt und PD Dr. Katja Kauer. Thema und Ziel der Tagung war es, literarische Texte aus sich selbst heraus zu lesen, ihre Eigengesetzlichkeit zu würdigen und diese nicht ausschließlich als Verdopplung realer Diskurse zu kategorisieren. Im Zentrum standen somit diegetische Wertungspraxen, die theoretische Kontextualisierung erfolgte erst später. Dadurch sollte vermieden werden, dass apperzeptive Ergänzungen im Falle ästhetischer Unterdeterminiertheit absolut gesetzt werden – ein regelmäßig anzutreffendes Problem, wenn es beispielsweise um geschlechtliche Vielfalt, Rassismus oder Klassismus geht.
Am dritten Tag hielt AG-Mitglied Marc Kudlowski einen Vortrag zu „Gender-Flips im Medienverbund und ihre didaktischen Potenziale“. Dabei ging es vor allem um Franziska Buchs Remake von Emil und die Detektive aus dem Jahr 2001. Anhand der Entwicklung der Figur „Pony Hütchen“ wurde gezeigt, welche Auswirkungen Gender-Flips auf die Diegese haben und welche didaktischen Potenziale sich daraus ergeben können.
Gender-Flip bezeichnet die Veränderung des aus einer literarischen Vorlage bekannten Geschlechts einer Figur in einer medialen Adaption. Dabei ist der Austausch männlich gelesener Figuren durch weibliche gelesene Figuren in medialen Adaptionen oder in Remakes von Klassikern eine verbreitete Adaptionspraxis. Diese Adaptionspraxis hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend auf Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur ausgeweitet.
In der Realspielfilmadaption von Erich Kästners Roman aus dem Jahre 1929 werden die Rollen von Pony Hütchen und Gustav mit der Hupe vertauscht. Dadurch verändert sich die innerhalb der Diegese strukturell verteilte Agency. Wer mehr dazu lesen möchte, muss sich nur wenige Monate gedulden, denn noch in diesem Jahr wird ein Sammelband zur Tagung erscheinen, in dem auch ein Aufsatz zum Gender-Flip enthalten sein wird.
Marc Kudlowski

