„Ein Knall. Ein Echo.“ – Autorinnenlesung von Fiona Sironic

Angebunden an die beiden Einführungsseminare in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft von Elisabeth Hollerweger und Marc Kudlowski fand am Donnerstagabend (15.01.26) die Autorinnenlesung von Fiona Sironic statt. Für einige Studierende war es ihre erste Autorinnenlesung überhaupt. Entsprechend gut gefüllt war das Raumlabor des ZfL mit etwa sechzig bis siebzig interessierten Studierenden – aber auch Kolleg:innen des IDSL II und des ZfL sowie weiteren Gästen.

Sironic lebt in Wien; in Hildesheim hat sie u.a. Kreatives Schreiben studiert und in Berlin gewann sie 2019 den Open-Mike-Wettbewerb. Mit ihrem Prosadebüt „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ schaffte sie es im vergangenen Jahr sogleich auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Der Roman zeichnet sich durch seine organisch verknüpfte Themenvielfalt ebenso wie durch seine besondere sprachliche Gemachtheit aus. Vor der Kulisse einer erhitzten Welt in naher Zukunft wird die queere Liebesgeschichte zwischen den beiden Jugendlichen Era und Maja erzählt. Während Era mit ihrer Mutter in einem Tiny House im Wald lebt, wächst Maja als eine von zwei Töchtern von Momfluencerinnen in einer Villa auf – und während Era es sich zur Aufgabe gemacht hat, vom Aussterben bedrohte Vogelarten zu dokumentieren, will Maja alle im Internet verbreiteten Szenen ihrer Kindheit in die Luft sprengen.

Im Rahmen ihres Besuchs las Fiona Sironic drei Abschnitte vor. Besonders deutlich wurde hierbei die Fähigkeit, ihren Text performativ zu inszenieren: durch nuancierte Markierungen der Figuren mittels Stimmfärbung, durch Rhythmisierung kraft von Geschwindigkeitswechseln und Pausen sowie durch die klangliche Gestaltung von Onomatopoetika.

Im Gespräch beantwortete die Autorin Fragen zur Genese der Themenvielfalt und der Figurendynamik sowie zur Funktion des Schreibens in einer bereits von Krisen erschütterten Gegenwart. Als die figurenbezogene Sympathielenkung zur Sprache kam, spielte sie die Frage an die Studierenden zurück und initiierte damit Reflexionen zur Involviertheit beim literarischen Lesen.

„Der Rest der Geschichte ist Content“ (Sironic 2025, 47) – und im Buchhandel erhältlich.

Elisabeth Hollerweger & Marc Kudlowski
Fotos: Andreas Seidler, Tim David Frey