Die Japanologie stellt sich vor: Teil V

Foto: Sonja Hülsebus

Name
Martin Thomas

Was wollte ich eigentlich mal werden?
Wie ein jüngster Umzugsfund belegt, hat mich der Berufswunsch des Architekten seit Grundschultagen begleitet. Damals konnte ich zwar nicht einmal das Wort richtig schreiben, doch weil ich wusste, dass ein Architekt viel rechnen muss und Mathe mein Lieblingsfach war, erachtete ich das Konstruieren von Häusern als eine spannende Alternative zu den üblichen Polizisten und Feuerwehrmännern, die sich sonst so in meiner Klasse tummelten. Auf dem Gymnasium verlagerten

Der Umzugsfund (Foto)

sich meine Interessen dann jedoch ziemlich deutlich. Neben dem Traum, Schriftsteller zu werden, spielte ich lange Zeit mit dem Gedanken, nach dem Abitur eine journalistische Ausbildung zu beginnen.

Was mache ich jetzt?
Gegenwärtig bin ich im Rahmen des DFG Projektes Literarische Figuren in frühen Texten des japanischen Autors Nagai Kafū (1879-1959) als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Japanologie der Universität zu Köln angestellt. Im Großen und Ganzen bedeutet das, dass ich momentan sehr viel lese, um mich in ein neues Themengebiet einzuarbeiten. Aus diesem Grund findet man mich häufig entweder im Büro oder in der Bibliothek, wo ich intensiv über Büchern brüte. Darüber hinaus versuche ich seit Neuestem meine durch das viele Sitzen bedingte „Wissenschaftlerstatur“ mit regelmäßigen Laufeinheiten etwas in Form zu bringen.

Wie bin ich zu diesem Beruf gekommen?
Während der letzten Jahre auf dem Gymnasium wurde mein Wunsch, zu studieren, immer stärker. Meinen Neigungen entsprechend, wusste ich auch relativ schnell, in welche Richtung es gehen soll, schließlich hatte ich mit den beiden Leistungskursen Deutsch und Geschichte einen gesellschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt gewählt. Warum die Entscheidung am Ende aber ausgerechnet auf das Fach Japanologie fiel, kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus Faszination an der Fremde sowie meiner durch Animes geprägten Kindheit, die mich in die Obhut von Frau Prof. Dr. Richter und Herrn Prof. Dr. Kobayashi nach Leipzig führte. Dort lernte ich, was es heißt, kritisch zu denken und mich intensiv mit politischen Themen auseinanderzusetzen. Schnell konnte ich mich auf diese Weise auch für Aspekte abseits der japanischen Populärkultur begeistern, weswegen ich mich nach dem Bachelor dazu entschloss, an derselben Uni meinen Master zu machen und somit eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Über eingeschobene Studienaufenthalte in Nagoya und Kyōto sowie erste wissenschaftliche Gehversuche auf Veranstaltungen wie dem Japanologentag bin ich schließlich im März dieses Jahres im schönen Köln gelandet.

Was schätze ich an meinem Beruf?
Alles. So unglaublich es klingt, fällt mir spontan nichts ein, worüber ich mich beschweren könnte. Im akademischen Bereich tätig sein zu dürfen, ist in vielerlei Hinsicht ein Privileg, für das man in unserer heutigen Zeit dankbar sein sollte.  Wer sonst darf schon behaupten, dass er sich hauptberuflich mit der Analyse von gesellschaftlichen Phänomenen beschäftigt? Hinzu kommt der rege Austausch von Ideen und Gedanken mit anderen Wissenschaftlern, der den Job umso attraktiver gestaltet. Wenn es mir neben der reinen Forschung irgendwann gelingen sollte, jungen Menschen kritisches Denken beizubringen, so wie es mir einst in Leipzig vermittelt wurde, würde ich meine gesellschaftliche Rolle als erfüllt betrachten. Bis dahin ist es aber noch ein langer, langer Weg.

 

 

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