Warum die Umbenennung der DGV in DGSKA ein Fehler war

24. April 2018

von Thomas Bierschenk

Früher Nachmittag des 6. Oktobers 2017, Hörsaal 1a der sog. Rost- und Silberlaube der Freien Universität Berlin: Aus einigen Ecken des Hörsaals ertönen verhaltene Freudenschreie, Menschen haben Tränen in den Augen, manche fallen sich mit einem ‚endlich geschafft‘ in die Arme. Was war passiert? Hatte die Europäische Union gerade in Brüssel bekanntgegeben, aufgrund der bei der Eröffnung der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (DGV) am Vortag geäußerten fulminanten Kritik ihre Flüchtlingspolitik umzuwerfen und die Vorschläge der in Berlin versammelten Ethnologinnen für eine humanere Flüchtlingspolitik zu übernehmen? Hatten die deutschen Bundesländer beschlossen, Ethnologie als Schulfach einzuführen, sodass die vielen anwesenden jungen Ethnologen jetzt sichere Berufsperspektiven hatten? Hatte die Fußball-Frauenmannschaft der ‚großen‘ DGV (V für Völkerkunde) gerade die der kleinen dgv (V = Volkskunde) zweistellig geschlagen?

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Die Umbenennung: Moralisches Schulterklopfen und Geschichtsvergessenheit

17. April 2018

von Dieter Haller

Kurz vor der Umbenennung der DGV in DGSK konnte ich in Bochum die Umbenennung meines Lehrstuhles, der die „Sozialanthropologie“ zur Denomination hatte, in „Ethnologie“ erwirken. In Berlin geschah nun genau das Umgekehrte. Ich hätte nie gedacht, dass sich in meinem geliebten Fach einmal Gleichgültigkeit gegenüber faschistischen Bezügen, neoliberale Anbiederei an den angelsächsischen Zeitgeist, moralische Selbstüberhebung und schlichte Wurschtigkeit siegreich die Hände reichen. Aber der Zeitgeist weht eben rechts, und selbst die, die sich als Vertreter einer progressiven Haltung verstehen, sehen manchmal nicht, wessen Handwerk sie da besorgen. So wie die siegreichen Umbenenner der Berliner Tagung – wahrscheinlich bei bester Absicht – wahrscheinlich nicht merken wollten, dass sie kolonialistische und faschistische Bezüge mit der getroffenen Wahl zur Umbenennung würdigen. Auch ich hadre deshalb mit mir, ob ich aus einer solchen Gesellschaft austreten soll. Noch habe ich soviel Vertrauen in meinen Berufszweig dass ich unterstelle, die meisten Umbenenner hätten nicht gewusst, was sie da tun. Aber auch das ist schon ein Armutszeugnis für Wissenschaftler, die nichts mehr wissen von ihrer fachlichen Vergangenheit und wohl auch nichts wissen wollen. Sensibilität gegenüber rechten Diskurshegemonien ist heute wohl „so twentieth century“, vielleicht auch deshalb hat sich auf der Tagung die Vorstellung von Identität als Bekenntnis durchgesetzt. Wie ich höre, habe es während der Mitgliederversammlung keine inhaltliche Debatte um die Umbenennung gegeben.

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Ethnologie – eine Begriffsfalle

10. April 2018

von Werner Schiffauer

Als ich hörte, dass  der Vorstoß einer Namensänderung der Disziplin von „Völkerkunde“ in „Ethnologie“ abgelehnt und statt dessen die Umbenennung in „Sozial- und Kulturanthropologie“ beschlossen wurde, war ich mehr als erleichtert. Zum einen war mir der Umbenennungsvorschlag in Ethnologie schon deshalb als absurd erschienen, weil man den Begriff des „Volkes“ (nur eben als Fremdwort) weiter als Bezeichnung des Fachgegenstandes führen wollte. Dies deckt sich aber keineswegs mehr mit dem, was inhaltlich in dem Fach passiert. An den meisten Instituten und Lehrstühle wird das Fach als Wissenschaft von der kulturellen und sozialen Formung des Menschen gelehrt – mit anderen Worten: als Sozial- und Kulturanthropologie.

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What’s in a name Wofür steht die Umbenennung der ehemaligen Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde in eine Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie?

10. April 2018

von Christoph Antweiler, Michi Knecht, Ehler Voss und Martin Zillinger

Drei Tage vor der Umbenennung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (DGV) in Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (DGSKA) erscheint von ihrer ehemaligen Vorsitzenden Carola Lentz ein Beitrag im Blog „Kulturrelativismus und Aufklärung“, in dem sie schreibt, sie könne sich vorstellen, die Ethnologie in einer übergreifenden Kultur- und Gesellschaftswissenschaft aufgehen zu lassen.

Hat die Umbenennung in Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie genau diese Wendung vollzogen?

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