15. Januar 2019

Liebe Leser*innen,

diese Woche gibt leider keinen neuen Beitrag.

Schaut nächste Woche wieder rein.

Eure Blogredaktion

Meine Zerrissenheit zwischen Selbstaufgabe und Egozentrismus. Warum ich Kultur- und Sozialanthropologie liebe.

8. Januar 2019

von Edda Sofie Schwarzkopf

Kultur- und Sozialanthropologie (KuSA) vereint zwei Fächer, die sich geschichtlich einiges zu Schulden kommen ließen. Die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Regimen und Kolonialregierungen Werkzeug und treibende Kraft wurden für Hass, Ausgrenzung und Gewalt. Die sich irgendwann zurückzogen, ihre logischen Widersprüche erbarmungslos offenlegten und seitdem versuchen, ehrlich an die Tiefen des Menschseins heranzutreten. KuSA treibt mich an, im Kleinen eine ähnliche Entwicklung vollziehen zu wollen. Mir bewusst zu werden, wo ich die bequemen Lösungen suche, wo ich ich-zentriert denke und dann unnachgiebig daran zu arbeiten, Andere in den Fokus zu rücken, bis ich sie besser verstehen kann.

Ich liebe die KuSA dafür, dass sie allem mit derselben Neugier entgegentritt. Geisterbeschwörung, rituelle Trance, Beschneidung, Schmucknarben verlieren ihren Schrecken, werden Teil des Menschseins. Der Tischkickerverein die Straße runter wird zum faszinierendsten Erlebnis des Semesters. Ich lerne, dass jeder eine Geschichte hat, die es wert ist, gehört zu werden und dass kein Geheimnis unaussprechlich sein sollte. KuSA gibt mir den Mut, an Menschen, an Welten heranzutreten, die ich für unerreichbar, zu fremd hielt und erinnert mich daran, Menschen und Welten, die mir unendlich vertraut erscheinen, mit neuen Fragen zu locken. Immer, wenn die Welt in den Nachrichten so groß wirkt, so undurchdringbar, ertappe ich mich dabei, wie ich denke: „Da hat doch bestimmt ein Anthropologe, eine Anthropologin Jahre damit verbracht, es zu erforschen – Was schreibt er, sie darüber?“ Immer, wenn ich etwas lese, das ich nicht verstehe, sagen Lehrende und Fachliteratur: „Geh’ doch hin.“ KuSA ist für mich der Drang, mit den Menschen zu sprechen, die von einem Thema direkt betroffen sind. Seite an Seite mit ihnen zu arbeiten, zu beten, zu leben. Eine Grundhaltung, die ich in einer Zeit, in der sehr viel ungefragt über andere gesprochen wird, als absolut unabdingbar wahrnehme. Beide Institute an meiner Universität scheinen zunächst etwas unscheinbar, doch jede Person, der man auf den Fluren begegnet, hat großartiges erlebt und erforscht. Jeder fordert mich auf, mein Studium selbst in die Hand zu nehmen, die Studienordnung auf den Kopf zu stellen, wenn mich etwas brennend interessiert. Im letzten Semester ließ mich eine unbenotete Studienleistung einfach nicht los, sodass ich vier Wochen nur in der Bibliothek verbrachte und fünf Tage in die Schweiz fuhr, um dort einen sudanesischen Konvertitenpastor bei Tagungen evangelikaler Missionare und Gemeindeleiter zu begleiten. Ist KuSA ein geradliniger Karriereweg? Nein, für mich nicht. Aber aufrichtiger könnte ich meiner Neugier nicht folgen, als hier. Solche Spirenzchen werden nicht nur toleriert, sie werden diskutiert, kritisiert, weitergetrieben.

KuSA ist Gift für jeden Smalltalk. Sie macht mich durchsetzungsschwach in Debatten über aktuelle Politik, weil ich immer noch die andere Meinung dazu hören will. Sie macht mich angreifbar, weil ich viel Zeit damit verbringe, über meine Befangenheit, meine Schwächen nachzudenken. Sie bringt mich in Erklärungsnot, weil kaum jemand wirklich verstehen will, wie man diesen scheinbar ungreifbaren Studiengang wählen, wie man sich diesen Themen Woche für Woche freiwillig stellen kann. Und trotzdem macht sie mich stark, weil ich lerne, mich mit sanftem Tatendrang jedem Tabu aufs Neue zu stellen. Inzest, Kannibalismus, Tod.KuSA sucht immer die allumfassende Perspektive, aber nicht die universal gültige Erklärung.

Mich, eine notorische Klugscheißerin, macht sie demütig im Angesicht der geballten Sammlung so vieler Menschheitserfahrungen.

 

Edda Sofie Schwarzkopf studiert Kultur- und Sozialanthropologie im Zweifach-Bachelor an der WWU in Münster. Auch im Zweitfach Kommunikationswissenschaft interessiert sie sich besonders für die Untiefen und Abgründe des Menschseins, für Machtspiele in der Datenverarbeitung, virtuelle Vernetzung analoger lokaler Kontexte. Die anthropologische, systemzerstörerische Perspektive auf Konfliktbeilegung hat sie im letzten Jahr besonders gefesselt. Da erst im dritten Fachsemester, steht ihr noch viel zu lernen und entdecken bevor, sie ist jedoch bereits brennende Advokatin für die Spannungsfelder der Disziplin, die sie in vielen nichtanthropologischen, nichtakademischen Kontexten wieder erkennt.

Winterpause

18. Dezember 2018

Liebe Leser*innen,

wir gehen in die Winterpause.

Ab 08. Januar haben wir wieder jeden Dienstag neue Beiträge für euch.

Bis dahin wünschen wir euch eine erholsame Zeit,

eure Blogredaktion aus Mainz

 

 

Beyond the ethnos and anthropos Or how anarchist approaches have already changed my methodological toolkit

11. Dezember 2018

by Emmanuel Rogge (Emi)

Foreword

Dear Readers,

you are going to absorb the written version of my talk presented at the ‘Ethno’symposium 2018 in Hamburg (Germany). My motives to apply for this talk were twofold. On the one hand, I was curious about the presentation format – I have never held a 45 minutes long presentation before. On the other hand, I intended to share some insights of my personal developement and discussion of selected, ‘anthropo’logical issues. This talk especially examines the issues of self-designation and self-positioning within the realm of ‘anthropo’logy. In this line of thought, this examination draws on the traditional practice of reflecting on, more or less, contemporary ideals and thereby distils a specific set of ‘anthropo’logical purpose(s) to a greater detail.

From my point of view, ‘anthropo’logies have tremendously influenced the realities of thousands upon thousands of people, and they still do. Basically, this talk aims at contributing to give orientation, though not word-for-word, how ‘anthropo’logy can be understood as a civic component. I suggest that it is sometimes immensely important to think about breaking with regular ideals to pave the way for radical changes and purposes[1] that enable ‘anthropo’logists to (re)adjust to turbulent times more mindfully.

[1] In terms of methodologies, philosophies, politics, activism, learning, teaching, research, financialisation,.. moreBeyond the ethnos and anthropos Or how anarchist approaches have already changed my methodological toolkit

Ethnologie in einem Karton

4. Dezember 2018

von Theresa Vollweiter

Ethnologie ist schon eine eigenartige Disziplin. Sie ist eine jener, die immer ausführlich erklärt werden muss, weil Freunde und Familie im Normalfall keine treffende Vorstellung davon haben. Die perfekte Chance, um ein bisschen schlau daherzureden. Aber da macht uns das Fach einen Strich durch die Rechnung! Warum das so ist, lernt man ganz fix.

Man könnte sich das Fach als großen, magischen Karton vorstellen. Wenn man ihn öffnet, muss man auf eine unglaubliche Fülle an Elementen stoßen. Viele Teile, also Begriffe, Theorien und Konzeptionen, hält man in der Hand. Wenn man darin wühlt, weiß man oft nicht, was diese Teile sollen, was sie meinen oder wie man sie verwendet. Man wühlt und wühlt und findet keinen Boden, nur noch mehr Teile. Einige davon gefallen einem auch gar nicht, sie passen gar nicht so gut in den Karton. Sagt wer? Auch die Perspektive auf den Karton ist nicht unwichtig. Man kann ihn aus unterschiedlichen Blickwinkeln beobachten – die Teile des Kartons können je nach Blickwinkel unterschiedlich aussehen und in ihrer Bedeutung oder Verwendung variieren. Magisch eben! Für Menschen, die keinen schätzenden Blick auf den Karton erlangen können, ist dieser nicht mehr als ein Gegenstand im Raum. Manche stoßen und ärgern sich. Andere nehmen ihn gar nicht wahr. Wenn man anfängt Ethnologie zu studieren, dann hat man sich für diesen Karton entschieden und er ist jetzt irgendwie Teil des Lebens: wie man ihn ansieht, wie tief man darin wühlt und wie man die Teile zusammensetzt, liegt an einem selbst. Manchmal will man den Karton auch einfach wieder wegräumen.

Wie jede meiner universitären Pflichten, schreibe ich auch diesen Text kurz vor knapp! Mit der Metapher des Kartons kann man bei ahnungslosen Familienmitgliedern wohl eher nicht punkten – also wie macht man deutlich, warum man sich für diese herrliche Disziplin entschieden hat? Eigentlich gar nicht. Ein Professor hat mir bereits im ersten Semester davon abgeraten, zu versuchen, andere davon zu überzeugen. Das scheint mir aber glatt ein bisschen zu arrogant, so als hätten andere keinen Zugang dazu. Was mache ich also, wenn ich mich mal wieder darlegen muss? Einer der wohl universellsten Gründe, wieso dieses Fach sinnvoll ist, ist die simple Tatsache, dass es den eigenen Horizont ungemein erweitert. Oft erwidern Leute auf mein Wissen nur ein Lachen, von wegen es gäbe wichtigere Dinge, die man studieren könne. Das sehe ich anders: wer seinen Horizont erweitern möchte, muss sein Auge auch auf „kleine“ Dinge richten. Zum Beispiel Afrikanische Comics! Wenn man sich dann ein wenig damit befasst, merkt man rasch, dass viele Dinge gar nicht so „klein“ sind, wie man erst dachte. ZACK! Etwas Neues gelernt, einen neuen Blickwinkel eingenommen! Wenn ich zurückschaue auf drei Semester totale Verwirrung einerseits, dem Durst nach Wissen und Verständnis andererseits, ist der goldene Preis mein neuer Blickwinkel. Das merkt man, wenn man wie ich, mit Familienmitgliedern über Bräuche und Riten in Afrika spricht. Erstere schnappen so etwas in mittelmäßigen Dokumentationen auf, ich behandele das wissenschaftlich. Was Opa als äußerst komisch und rückschrittlich wahrnimmt, ist für mich eben einfach so, wie es ist: Menschen haben unterschiedliche Wege, ihr Zusammenleben so zu gestalten, dass es funktioniert. Was man dadurch gewinnt? Es ist schön. Es ist einfach schön zu wissen, dass es so viele unterschiedliche Lebensweisen auf der Welt gibt. Dabei möchte ich nicht die eine idealisieren oder die andere als weniger entwickelt betrachten. Um genau zu sein, gibt mir diese Gewissheit fast so etwas wie Trost. Nicht alle Gesellschaften der Welt verfolgen den gleichen Optimierungswahn und solch einen Leistungsdruck, wie unsere. Es gibt Systeme, die völlig anders sein können. Ganz plötzlich macht es also „klick“ und man findet Hexerei und Magie nicht mehr so schräg wie Opa das tut. Das Wissen, das ich mir aneigne, ermöglicht es mir Kritik zu üben. Viele versuchen das Fach auf den Gegenstand „Afrika“ zu reduzieren. Ich mag das nicht. Es ist auf der einen Seite unzutreffend, da die Ethnologie sich auch durch ihre Interdisziplinarität auszeichnet. Manchmal befasst man sich auch einfach nur mit Autobahnraststätten vor dem Hintergrund philosophischer Sichtweisen. Nein, keine afrikanische Gesellschaft. Und Kultur? Ein Begriff der so inflationär gebraucht wird, dass man ihn bereits anhand unserer Gesellschaft eingehend untersuchen und hinterfragen kann. Wenn man Ethnologie studiert, dann kann plötzlich vieles (oder alles?) im Leben ethnologisch relevant werden. Andererseits sind afrikanische Gesellschaften, deren politische und wirtschaftliche Systeme, Riten, Symbole und Strukturen etc.  immer eine hervorragende Grundlage, um die Welt besser zu verstehen und sie im Zuge dessen zu hinterfragen. Für mich geht es in erster Linie nicht konkret um das Wirtschaftssystem einer afrikanischen Gesellschaft. Man muss nur verstehen, was einem das Wissen über dieses für die eigene Gesellschaft mitgibt. Also sollte man tunlichst vermeiden, Ethnologie auf Afrika zu reduzieren. Man lernt vieles über die Welt, über einzelne Teile von ihr und über die Menschen selbst. Wie unterschiedlich sie leben, ohne, jemanden auf negative Weise als anders darstellen zu wollen.

..Dieser Text könnte eine lange Rede werden, warum dieses Fach so herrlich ist. Das würde den Rahmen aber sprengen.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass der Wille zum Wissen die Quintessenz ist. Man muss sich vor diesem Hintergrund auf den magischen Karton einlassen: man muss darin wühlen, sich diverse Teile aus unterschiedlichen Blickwinkeln ansehen. Und nach dem Boden sollte man gar nicht erst suchen, denn es gibt keinen. Viele stören sich daran. Übersetzt: Man muss sich Begriffe, Konzepte und Theorien ansehen und sich auf sie einlassen. Man verwendet sie, dekonstruiert sie oder legt sie einfach beiseite. Man wird im Laufe der Zeit immer tiefer im Karton wühlen und immer mehr Teile aneinandersetzen können, wie bei jeder Wissenschaft. Und man wird merken, dass einem die Ethnologie und relevante Bausteine und Gegenstände dieser tagtäglich begegnen. Und man versteht alles ein bisschen anders, ein bisschen besser und ein bisschen offener. Offenheit ist ein guter Preis für das viele Wühlen im Karton.

 

Theresa Vollweiter studiert im vierten Semester an der Johannes-Gutenberguniversität Mainz. Ihr Kernfach ist Soziologie und ihr Beifach Ethnologie. Theresa wollte niemals Ethnologin werden oder gar in die Schublade der Ethnologieklischees hineingesteckt werden. Bis sie sich mehr und mehr in der Thematik sah und sich bei Gesprächen immer wieder auf im Studium Gelerntes stützte. Da merkte sie schnell, dass sie in ihrem Fach angekommen ist. Am besten gefiel ihr das philosophisch geprägte Seminar zum Aspekt des Raumes in der Ethnologie. Im Einklang mit ihrem Hauptfach, kann sie sich für alltägliche Praktiken begeistern und diese vor ethnologischen Hintergründen betrachten. Plötzlich sah sie, dass Ethnologie überall ist, und sie war begeistert davon.

~: Warum das Ethnologon ins Leben hineinlassen? :~ °° Von lähmenden Hinterfragungstornados & genießendem Staunen über die Lebensfülle °°

27. November 2018

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~: Warum das Ethnologon ins Leben hineinlassen? :~
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°° Von lähmenden Hinterfragungstornados & genießendem Staunen über die Lebensfülle °°

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°°Ein Gebiet, das, wie wir früher glaubten, im Jenseits lag, erweist sich
jetzt […] als Gebiet, das wir täglich begehen.°°
(Suzuki [1937] 1990: 152)

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°°Maintain enough curiosity to notice the strange and wonderful as well as the terrible and
terrifying.°°
(Bubandt/Gan/Swanson/ Tsing 2017: M7)

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°° […] die Freiheit […], die Wirklichkeit als ein wirklich
Gemachtes zu leben.°°
(Taussig [1993] 2014: 56)

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more~: Warum das Ethnologon ins Leben hineinlassen? :~ °° Von lähmenden Hinterfragungstornados & genießendem Staunen über die Lebensfülle °°

Mithilfe von Anthropologie Denk- und Verhaltensmuster hinterfragen Gedanken und Erfahrungen

20. November 2018

Wenn man nach dem „Warum studiert man Anthropologie?“ fragt, ist auch das „Was ist das eigentlich?“ nicht weit. Mit dieser Frage setzt man sich als Anthropologe oder Anthropologin wahrscheinlich sein ganzes Leben lang auseinander, denn einfach abzugrenzen, wie ich es von anderen Wissenschaften behaupten würde, ist dieses Fach nicht – und das verstärkt seinen Charakter. Bevor ich eine Universität je betreten hatte, dachte ich, dass sich Anthropologie vor allem mit indigenen Bevölkerungsgruppen beschäftigt. Doch während des Studiums habe ich festgestellt, dass sie viel mehr als nur das ist. Besonders bei einer Feldforschung in Berlin wurde mir bewusst, dass ethnologische Forschung an jedem Ort und nicht nur bei „den Anderen“ erfolgen kann und dass auch ich Teil verschiedenster Gruppen bin, die ethnologisch durchaus erforschbar wären.

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An anthropology that takes position instead of pictures The radical potential of Subjectivity for anthropology

13. November 2018

Authors:          Moritz Engel, Christian Schirmer

 

Short abstract

We argue that the current resistances to neoliberalism remind us to depart from stagnant forms of social analysis. We show the relevance of (post-) marxisms put forth by Lacan, Žižek and Deleuze and Guattari to understand social transformation in a world shaped by neoliberal oppression. Our science has an emancipatory kernel or at the very least the potential to show contingency, possibility and chance since it is able to contest various dogmas of neoliberal capitalism. We want to show that what is able to put forth this potentially radical orientation of anthropology toward emancipatory struggles is an anthropology of the subject position.

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Mehr Fremdheit, mehr Kultur – weniger Natur, weniger Bekanntheit

6. November 2018

von Jonathan Staut

 

I. Idealismus und Realismus

Ich habe mich selbst schon immer als Idealisten eingeschätzt, war jedoch nie einverstanden mit der gängigen Gegenüberstellung von Idealismus und Realismus. Festhalten kann man jedenfalls, dass es ohne Idealismus keine Ethnologie hätte geben können. Egal wie sehr man von sich selbst behauptet, Realist zu sein: Unterschiede zwischen Gruppen anzunehmen, bedeutet immer zugleich auch, Unterschiede zwischen Ideen anzunehmen. Ein konsequenter Realist könnte zwar gerade noch sagen, dass es Unterschiede zwischen Menschen gibt, müsste aber Gruppen von Menschen als lose Verbindungen begreifen, die entsprechend durch Zwang zusammengehalten werden müssten. Gruppenunterschiede sind damit immer Unterschiede in der Zwangsform. Das mag zunächst auch einleuchtend erscheinen, denn die vordergründigen Dinge wie Sprache, Nationalität und Religion sind ja schließlich immer spezifische Formen von Zwang und nicht von Freiwilligkeit. Damit dieser Zwang aber wirksam werden kann, müssen aus diesen Merkmalen Ideen gemacht werden, sodass man sagen kann: „Du sollst Deutschland lieben, weil du ein Deutscher bist“. Ohne aus dem Deutschsein ein Ideal zu machen, würde so eine Aufforderung nicht funktionieren.

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Sich auf Ethnologie einen Reim machen

30. Oktober 2018

von Carmen Grimm

An einem Sonntag im September 2018 habe ich die Titel laufender Dissertationsprojekte der Europäischen Ethnologie aus dem Browser kopiert und mit zahlreichen Funktionen einer Analysesoftware und meinem Augenmaß zu ethnologisieren versucht und etwas ver/ge-dichtet.[1]

Hier einige Beobachtungen:[2]

Eure Titel beginnen oft mit E oder G,[3]
Land ist in, Stadt ist inner, Jugend sticht Alter und DDR die BRD.
Ihr seid „nur von besten Eltern“ oder „verliebt in das Fremde“,
habt „Sehnsucht nach dem Wilden Westen“ und konsultiert dafür verstaubte Bestände.

Fragezeichen ja, Ausrufezeichen nein; „Utopien leben?“
Viel läuft auf Englisch o. in Klammern, „(trans-)national belongings“ und „(bi-)nationale Ehen“.
Die Verben sind verhandeln, aushandeln, austarieren, navigieren, steuern und streiten
in allen Dissertationsprojekttiteln von insgesamt 8,56 Normseiten.

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