WER ERHÄLT DIE MÄR VOM EDLEN WILDEN? GEGEN DIE DISKREDITIERUNG EINER GESAMTEN DISZIPLIN

3. Januar 2017

von Hansjörg Dilger

Anmerkung der Redaktion: Bei folgendem Text handelt es sich um einen offenen Brief des aktuellen Vorstands und Beirats der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (DGV), der am 26. Oktober 2016 auf der DGV-Webseite veröffentlicht wurde. Autoren des Textes sind Hansjörg Dilger, Kristina Dohrn, Dominik Mattes, Anita von Poser, Birgitt Röttger-Rössler und Olaf Zenker. Vgl. http://www.dgv-net.de/offener-brief-an-die- sueddeutsche-zeitung/ 

Mit großem Befremden haben wir den Artikel Die Mär vom edlen Wilden gelesen, der am Oktober 2016 in der Süddeutschen Zeitung unter der Sparte „Wissen > Ethnologie“ veröffentlicht wurde. In diesem Text nimmt der Autor, Christian Weber, einen kürzlich erschienenen Bildband des früheren Modefotografen Jimmy Nelson zum Anlass, über Fragen von Authentizität und die Repräsentation von Tradition in einer globalisierten Welt nachzudenken.

DIE MÄR VOM GRAUSAMEN WILDEN

27. Dezember 2016

von Werner Krauß

Christian Weber gehört zu denjenigen Wissenschaftsjournalisten, die Wissenschaft kritisch hinterfragen und sich auch nicht scheuen, wie ihre Kollegen aus der Politik ihre Meinung kundzutun. In seinem Artikel Die Mär vom Edlen Wilden dient ihm ein Fotoband von Nelson, aus dem farbige Abbildungen den Artikel illustrieren, zum Anlass, über uns und die Anderen nachzudenken. Das Thema ist im Jahr 2016 mehr als aktuell. Der Andere steht plötzlich als Migrant und Flüchtling vor unserer Haustür, und zu Weihnachten läuft im Fernsehprogramm eine Neuverfilmung von Karl Mays Winnetou, der Generationen übergreifenden deutschen Ikone des Edlen Wilden. Natürlich Zufall, doch genau in diesem Spannungsfeld ist der Artikel angesiedelt. Der Ton ist zu großen Teilen polemisch, und die Stoßrichtung zielt gegen eine Romantisierung des Edlen Wilden und gegen den ethnologischen Kulturrelativismus. Anstatt die Anderen als die Edlen Wilden zu verherrlichen, so Christian Weber, sollten wir uns auf unsere Tugenden und das, was wir erreicht haben, besinnen. Eine klare Ansage, die ja auch sogleich Protest hervorgerufen und zur Gründung dieses Blogs geführt hat.

UND BOAS HAT DOCH RECHT! EIN PLÄDOYER FÜR DEN KULTURRELATIVISMUS

20. Dezember 2016

von Thomas Reinhardt

Anmerkung der Redaktion: Thomas Reinhardt veröffentlichte diesen Text zuerst Anfang November 2016 auf der Homepage des ethnologischen Instituts der Ludwig-Maximilians- Universität München als offenen Brief an die Süddeutsche Zeitung – Betr.: SZ vom 17.10.2016, Christian Weber: Die Mär vom edlen Wilden

Der Mensch ist nicht immer gut. Was er sich an kulturellen Praktiken einfallen lässt, ist nicht immer schön. Und wo viele Menschen dauerhaft zusammenleben, geht es nicht immer erfreulich zu. Der Neuigkeitswert einer solchen Feststellung ist gering. Interessant wird die Angelegenheit erst, wenn man fragt, was denn genau „gut“ sei. Oder „schön“. Oder „erfreulich“. Sind Schlaghosen schön? Ist es gut, Leihmutterschaften zu verbieten? Ist industrielle Tierhaltung erfreulich?

RELATIVISMUS RELATIVIERT. FÜR EINEN MODERATEN KULTURRELATIVISMUS

13. Dezember 2016

von Christoph Antweiler

Cora Bender kritisiert einen Artikel von Christian Weber in der Süddeutschen Zeitung, in dem er den Kulturrelativismus angreift und damit einen Kern der Ethnologie. Ich finde den Ärger, den ihre prompte Reaktion zeigt, berechtigt. Obwohl Benders Gegenrede deutlich länger als Webers Aufsatz ist, rekurriert sie fast nur auf seine Polemik gegen die Ethnologie. Auf die Kernaussagen des Artikels dagegen wird kaum eingegangen.

KULTURRELATIVISMUS UND AUFKLÄRUNG Eine Debatte über den Umgang mit  Fremdem

6. Dezember 2016

von Christoph Antweiler, Ehler Voss, und Martin Zillinger 

Unter dem Titel „Dschungelmärchen“ erschien am 15. Oktober 2016 in der Druckausgabe der Süddeutschen Zeitung (online als „Die Mär vom edlen Wilden“ am 17.10.2016) eine Polemik gegen die Ethnologie. Der Autor Christian Weber zeichnet darin ein Bild der Ethnologie, das diese als unheilbringende und gefährliche Verklärerin barbarischer Verhaltensweisen erscheinen lässt, rechtfertige der von der Ethnologie propagierte Kulturrelativismus doch Gesellschaftsformen, deren Existenz man eigentlich besser in Frage stellen sollte.