Tribal Displays: Colonial Repositories and Community Reconciliation

9. Juli 2019

by Abiti Adebo Nelson

A version of this paper will be given at the upcoming international conference „Museum Collections in Motion. Colonial and Postcolonial Encounters“, Rautenstrauch-Joest Museum, Cologne, July 15th- 17th, 2019. 

The practices of a new museology have recently raised debates involving public forums and dialogues. However, these transformation processes have also sought to rethink museum practices in remaking persons and remaking society. The practice of displaying ethnic groups in the museum builds on the debates of decolonising museums especially of those having ethnographic artefacts. Having spent some periods of time in the work with ethnography, I point out that the characteristics of several ethnographic collections in the Uganda National Museum relate to the stories associated with creating tribal groups as well as with governing those tribes in order to legitimise the colonial rule. In other words, the Uganda Museum was a special institution of the colonial administration that worked to implement indirect rule in Uganda. This paper seeks to ask how the idea of a new museology in a contested history of violence uses the space of the museum galleries to rebuild society from the experiences of war trauma.

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Wenn jemand seine Meinung ändert – eine aktivistische Perspektive auf das Kurzzeitgedächtnis des Humboldt-Forums

16. Juni 2019

von Tahir Della und Mareike Heller

Es ist unübersehbar, dass sich in der Diskussion um das Humboldt-Forum über die letzten Jahre einiges, wenn nicht gar Grundsätzliches verschoben hat. Am augenfälligsten wird dies in der Gegenüberstellung zweier Zitate von Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die klingen, als kämen sie aus unterschiedlichen Zeitaltern. Noch vor der Grundsteinlegung des Humboldt-Forums im rekonstruierten Berliner Stadtschloss, als die Außendarstellung dieses kulturpolitischen Projekts noch auf leeren Blättern konzipiert wurde, fand sich im hinteren Drittel der Selbstdarstellungsbroschüre, nach der ausführlichen Belobung des kosmopolitischen Charakters des Projekts, ein kurzes Kapitel zur Verbindung von Ethnologie und Kolonialgeschichte und darin folgende Aussage: „Damals entstand das wissenschaftliche Fundament des Ethnologischen Museums in Berlin, und es entstand auf legale Weise. Die Berliner Museen sind deshalb rechtmäßige Besitzer ihrer Bestände.“[1] Im Tonfall scheint eine Spur von Rechtfertigung durch, aber mögliche Zweifel werden mit einem kategorischen Statement vom Tisch gewischt: Wir sind nicht betroffen! 

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Hinter den Spiegeln (Auszug) Aus einem ethnologischen Museum…

11. Juni 2019

von Anja Nitz

prolog-ausstellung.info/

 

Fotographien als pdf.

 

Anja Nitz is a Berlin based artist and photographer. Born in Hamburg (1971) she studied at Kunsthochschule Berlin Weißensee. In her work she deals with socially relevant institutions and she conceptually potrays the related buildings. Among others she has worked on the Berlin Charité Hospital and several important Berlin Embassies, the United Nations Headquarter in NYC, German State Libraries and depots of museums. Her most recent work was at the Berlin Volksbühne. Her works have been exhibited and published numerous times. She has received grants and scholarships including the Bonn Foundation Kunstfonds.

Dekolonisierung erfordert Dialog, Expertise und Unterstützung Heidelberger Stellungnahme

6. Mai 2019

Anlässlich der Jahreskonferenz 2019 der Direktor/innen der Ethnologischen Museen im deutschsprachigen Raum in Heidelberg wurde die folgende Stellungnahme verabschiedet:

Im deutschsprachigen Raum bewahren mehr als zwanzig öffentliche ethnologische und Weltkulturen-Museen, Universitätsmuseen und -sammlungen sowie ethnologische Abteilungen in Mehrspartenmuseen eine bedeutende Anzahl an Sammlungen mit kulturellen Artefakten, Fotografien, Film- und Tondokumenten sowie Schriftarchiven. Diese Sammlungen erhalten wir in treuhänderischer Sorgfaltspflicht. Über die Objekte wurden Beziehungen zwischen Menschen angelegt, die für jene, die sie einst herstellten, für ihre Nachfahr/innen wie auch insgesamt für alle Gesellschaften bedeutsam waren und bis heute sind. Diese Beziehungen stehen – ähnlich Diaspora-Verbindungen – im Vordergrund unserer Aufmerksamkeit.

Wir begrüßen ausdrücklich das hohe aktuelle Interesse der Zivilgesellschaft an unseren Häusern, an unserer Arbeit, an Fragen und Problemen auch der Kolonialgeschichte der Sammlungen. Ebenso schätzen wir die Sorge darum, ob die Bewahrung von sensiblen Sammlungen, etwa sterblicher Überreste, Grabgegenstände, Sakralobjekte, oder von ggf. zentralem kulturellem Erbe rechtmäßig ist. Das neue öffentliche Engagement weist auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die mit dem zunehmenden Bewusstsein für das in den Museen bewahrte Wissen und für die Bedeutung der Sammlungen für die Herkunftsgesellschaften einhergeht und mit der sich die Gesellschaft der ethischen Verantwortung im Umgang mit den Objekten stellt.

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Mal d’archives revisited oder Archivübel aus postkolonialer Perspektive. Eine Sichtbehinderung

19. März 2019

von Knut Ebeling[1]

In der gegenwärtigen öffentlichen Debatte um die Restitution außereuropäischen Kulturerbes fällt (neben diversen anderen) eine Lücke besonders auf: Die Realitätsbedingungen der Suche nach Herkunft und Provenienz werden in der öffentlichen Diskussion systematisch ausgeblendet. Zwar weist die postkoloniale Provenienzforschung seit dreißig Jahren auf sie hin; entsprechend wird von den diversen Personen, die sich in den öffentlichen Medien in letzter Zeit zu diesem Thema äußerten, regelmäßig auf die Schwierigkeit der Rekonstruktion von Herkunft verwiesen sowie darauf, dass die Mittel für Provenienzforschung selbstverständlich aufgestockt werden müssen. Insbesondere in der politischen Debatte wird jedoch vielfach mit einer Illusion von Transparenz gearbeitet, die von dem Eindruck ausgeht, man könne entlegene und diverse Herkünfte komplizierter interkultureller Transaktionen ›einfach so‹ rekonstruieren und ohne Sichtbehinderung in die Vergangenheit blicken. Kurz: Die Mittel und Medien, die bei dieser Sicht in die Vergangenheit regelmäßig zum Einsatz kommen und die für eine erfolgreiche Rekonstruktion von Herkünften notwendig sind, werden ebenso regelmäßig ausgeklammert.

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Wessen Recht für wen?

12. März 2019

von Lilli Hasche

Der Umgang mit kolonialen Kulturgütern und Human Remains in europäischen Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen ist ohne Zweifel eine politische Frage, um die seit Jahrzehnten gekämpft wird. Dabei wird – auch auf diesem Blog – häufig auch mit der Rechtslage argumentiert. Das konfrontiert uns nicht nur mit der Frage, wie die Rechtslage ist oder sein könnte, sondern auch, wie wir emanzipatorische Intentionen bei politischen oder ethischen Auseinandersetzungen überhaupt im rechtlichen Register zur Geltung bringen können oder sollten. Ich möchte deshalb anlässlich der Abschlussfeier der Humboldt University Law Clinic für Grund- und Menschenrechte, Berlin eine post- und dekoloniale Perspektive auf die rechtswissenschaftliche Debatte rund um die Rückgabe außereuropäischer Objekte und die Versuche, rechtliche Lösungsansätze dafür zu entwickeln, einnehmen.

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Le patrimoine culturel à l’épreuve du temps au Bénin (Rapport de l’école doctorale au Bénin du 14 au 30 juillet 2018)

5. Februar 2019

Par Claudia Jürgens et Barpougouni Mardjoua
avec la collaboration de Verena Rodatus

(1) Otoiu (2018), président du Vodoun, Dada Daagbo Hounon Hounan II et le groupe doctoral.

L’école doctorale d’été « Processus de patrimonialisation, usages et muséification du passé » qui fait objet du présent rapport s’est déroulée à Porto-Novo au Bénin, du 14 au 30 juillet 2018. Dans cet article nous exposerons des discours temporels et spatiaux sur les processus de patrimonialisation au Bénin. Les processus de patrimonialisation incluent des discours sur le patrimoine culturel matériel et immatériel et leurs perceptions locales. Notre intérêt est de comparer les collections d’objets béninois en Allemagne – en particulier les collections des musées de Berlin – avec les discours d’espace et de temps prononcés par les différents acteurs. En somme, notre objectif est de contribuer aux débats contemporains sur la restitution d’objets appartenant aux collections ethnologiques d’Europe, dans une perspective spécifiquement locale, liée au Bénin.

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Eurozentrismus setzt den Rahmen für Restitution Eine selektive Definition des afrikanischen Kulturerbes setzt das kolonialistische Paradigma fort*

22. Januar 2019

von Z. S. Strother

*übersetzt aus dem Englischen von Robin Cackett

Seit André Malraux 1959 bis 1969 das neu geschaffene Amt eines Kultusministers bekleidete, wird in Frankreich Kunstförderung in Afrika als Mittel der sanften Machtausübung eingesetzt. Als Präsident Emmanuel Macron im November 2017 verkündete, einen Fünfjahresplan zur „temporären oder definitiven Rückgabe des afrikanischen Kulturerbes an Afrika“ auszuarbeiten, witterten daher viele Kommentatoren politische Motive hinter dem Versprechen. Man argwöhnte, Macron wolle damit den Zorn über die französische Einwanderungspolitik und die Präsenz französischer Truppen in Westafrika besänftigen. Einige Kritiker sahen darin auch den billigen Versuch, sich mit dieser scheinbar großzügigen Geste des französischen Kolonialerbes zu entledigen. Die Sache scheint umso dringlicher, als Frankreich in seinen ehemaligen Kolonien wirtschaftlich rasant an Boden gegenüber China verliert – so etwa beim Wettlauf um lukrative Ölförderverträge vor der senegalesischen Küste.

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