„zurückGESCHAUT“ und die Praxis des Blickens Eine Rezension zur Dauerausstellung im Berliner Museum Treptow

16. Januar 2018

von Anujah Fernando

Mitten im Handgemenge um Humboldts Erbschaften eröffnete im Oktober 2017 im Berliner Randbezirk Treptow eine Dauerausstellung mit dem unaufgeregten Titel „zurückGESCHAUT“. Das Heimatmuseum widmet sich der Ersten Deutschen Kolonialausstellung, die 1896 auf dem Gelände des Treptower Parks in Berlin stattfand und blickt insbesondere zurück auf die Geschichten der Ausstellungsteilnehmer_innen aus Afrika und Ozeanien. Diese Rezension nimmt den Titel der Ausstellung zum Anlass, um dem Umgang mit Blicken und den Praktiken des Blickens in dieser Ausstellung nachzuspüren.

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Korb, Tonkrug, Kreuz

9. Januar 2018

von Mark Münzel

Die Körbe rebellierten: „«Die Menschen gehen aber schlecht mit uns um. Wenn sie uns nicht mehr brauchen, werfen sie uns fort. Die Tiere treten auf uns herum, die Schweine und die Hunde. Dann werfen sie uns in das Feuer und verbrennen uns. Ich bin dafür, daß wir uns vor den Menschen verbergen.» […] Sie entleerten sich und verließen das Haus. Nach einiger Zeit kam die Frau des Hauses mit Yuca und Bananen aus der Pflanzung. Die Körbe waren nicht weit fortgegangen. Sie hörten, wie die Frau sagte: «Wer hat meine Körbe fortgenommen? Worin soll ich alles aufbewahren?»“ Die Körbe lachten, doch dann kehrten sie zurück, weil ohne sie die Unordnung im Haus zu groß wurde. «Und wer hat alles aus euch hinausgeworfen?» fragte die Frau. «Wir haben es getan, das war richtig», sagten die Körbe.“

So mahnen die Tacana in Ostbolivien Respekt vor Gegenständen an. „Besonders böse waren die Tonkrüge. Sie fraßen die Menschen. Noch heute finden sich die Knochen der gefressenen Menschen in den großen Gefäßen tief in der Erde.“ Und die Folge? „Auch die Menschen erhoben sich gegeneinander und wollten sich töten und fressen.“ [1]) Ist es das, was derzeit in Berlin geschieht?

Doch manchmal legen Gegenstände einen Rest von Achtsamkeit in uns bloß. In einem Stück von Colette (1925, Musik von Ravel) quält ein Kind Tiere, stürzt die Standuhr um, reißt die Tapete von der Wand, schmeißt Porzellan kaputt. Gegenstände und Tiere schlagen zurück. Im Handgemenge wird ein Eichhörnchen verletzt. Da tut es dem bösen Kind denn doch leid, es verbindet dem verletzten Wesen die Pfote. Als Gegenstände und Tiere das sehen, bringen sie das Kind zu seiner Mama zurück.[2]

Ravel setzte diese Geschichte so um, dass jedes Tier mit seinem je eigenen Musikstil auftritt. Hätte er die Diskussion um das Humboldt Forum vertont, so hätte er vielleicht die Lobeshymnen auf irgendein Museum, das als Vorbild gepriesen wird, in stolze Fanfarenstöße umgesetzt. Im mythischen Afrika von Frazer und Frobenius priesen Preislieder nach dem Mord am alten König den jungen Nachfolger. In deutschen Museen preisen Fanfaren den neuen Direktor (oder „Intendanten“) mit dem neuen Konzept als Beginn der neuen Zeit – gerne mit der guten alten rhetorischen Figur: Frischer Wind gegen alten Staub in den Vitrinen. Da das Konzept des Humboldt Forums aber noch vage ist, beziehen Preislieder sich teils nur allgemein auf die Heilsbringer, teils aber auch auf neue Konzepte in anderen Museen, oder auf Diskussionen um neue Konzepte. Mit wolkigen Projekten kann Berlin ja leben: „Jedermann läuft herum und ist voll großer Projekte und plant ganz große Dinge“, beobachtete Tucholsky schon 1920 und zitierte Kipling über die Affen: „Sie prahlen und schwatzen und machen viel Geschrei, daß sie ein großes Volk sind“.[3]

Die Debatte ist überwiegend Postcolonial, was nicht mehr ganz neu ist. Und wenn die Regel stimmt, dass ein Ansatz, der auf alles und jedes angewendet wird, in seine letzte Phase eingetreten ist, so gilt hier wieder, was Ad. E. Jensen schrieb: „Wenn das Licht einer Idee erloschen ist, so lösen sich die ursprünglich zu ihr gehörenden Gestaltungen aus dem Zusammenhang und erlöschen oder bleiben als einzelne und losgelöste Erscheinungen […] bestehen.[4] Ähnlich sieht Erhard Schüttpelz in der Diskussion um das Humboldt Forum das „gesunkene Kulturgut der «Writing Culture»“ (dieser Blog 17.X.17) – „gesunkenes Kulturgut“ ist ein Begriff aus der Volkskunde für folkloristisch erstarrte Relikte aus vergessenen Zusammenhängen, Zitate von Zitaten.

Moralisch wird der Sieg des neuen Konzeptmuseums über das alte Völkerkundemuseum durch die Kritik an dessen Kunstraub unterfüttert. Diesen gab es in der Kolonialzeit, und er wurde schon damals von dem Ethnologen Michel Leiris kritisiert (dazu Hans-Jürgen Heinrichs, F.A.Z. 22.XII.17), aber nun läuft seit Jahrzehnten die kollegiale Zusammenarbeit heutiger ethnologischen Museen mit Nachkommen der Beraubten oder auch nur Erforschten, so (um nur Martin Porrs Beispiel zu nennen, Blog 28.XI.17) zwischen Museen in Berlin und Frankfurt, dem Frobenius-Institut, und Institutionen australischer Aborigines. Doch das ist fad, schon deshalb, weil Museen mit Indigenen über alte Gegenstände sprechen – anstatt alte Konzepte zu wiederholen.

Gegenstände sind fad. So wird nicht einmal das gefragt, womit im Museum eine Planung beginnt: Was für Objekte finde ich dort vor, und welches Potenzial steckt in ihnen? In Berlin wäre das leicht zu ermitteln, denn das Ethnologische Museum hat zahlreiche Kataloge mit Beschreibungen von Objekten und deren Hintergrund publiziert und stellt einen vorerst kleinen, aber wachsenden Teil seiner Objekte mit Foto und Kurzbeschreibung ins Netz.[5] Damit ließe sich planen – aber das hieße ja Gegenstände ansehen anstatt Konzepte über die Gesellschaft, über die Geschichte, über alles und jedes. Die meisten Diskutanten sind da rechte Neuplatoniker, denen das Ding unrein und irdisch ist und nur die Idee den Weg zu himmlischem Ruhm weist. So wird munter weiter konzipiert, ohne die Gegenstände auch nur flüchtig anzuschauen. Diese kommen ja auch nicht einmal aus Preußen. Um sie zu verstehen, müsste man sich einen anderen als den christlich-abendländischen Hintergrund erarbeiten.

In dieser Diskussion kehrt Bernhard Streck die Sache um: Nicht, welchen Konzepten die Dinge zuzuordnen wären, fragt er, sondern, was die Dinge davon halten mögen. Sie, die von Missionaren ihres religiösen Inhalts entleert wurden, dürften etwas gegen das Kreuz über dem Forum haben, dem sie mit „ihrer sprachlosen Anklage“ widersprechen (dieser Blog, 3.X.17). Die Dinge stehen hier natürlich auch für ihre Produzenten und deren Kulturen. So kritisiert Claus Deimel, das Kreuz ehre „die im Schoße der Kirche entstanden Wissenschaft, die auf indigenes Wissen mit seinen sozialen Strukturen traf und zu deren Verdrängung und Zerstörung beitrug“ (ebd. 14.XI.2017). Wie weltfremd: Als ob es um das Verstehen des Fremden ginge! Es geht um das Eigene, die Ehrenrettung des christlichen Abendlandes in einer preußischen Variante, die diese Kulturen zwar nicht verstand, aber doch aus christlicher Universalität bedauerte. Dafür steht das Kreuz, nicht der Korb oder der Geist im Tonkrug aus Bolivien.

Ethnologen beklagen, dem Humboldt Forum fehle „ethnologischer Sachverstand“ (Viola König, dieser Blog 3.X.17) – Sachverstand wozu? Viola König hat in Mexiko über Themen wie den Zusammenprall von Eroberern und Eroberten geforscht, oder über Plätze der Macht: Was hat das mit dem preußischen Königsschloss zu tun? Und gar über exotische Schrift, die ich als Normalpreuße gar nicht verstehe: Wo bleibt da Kaiser Wilhelm? Forscht sie denn über den preußischen Staat, „geführt von seinem König und der heldenhaften Luise an seiner Seite, die […] zu einer inspirierenden und verehrten «Königin der Herzen» werden sollte“? Erfühlt sie ebenso empathisch: „Aus unserer Sicht, ganz intuitiv, ist Eisen das Symbol für die deutsche Standhaftigkeit“? Das sind Sätze von Gründungsintendanten des Humboldt Forums, das  ist kritische Wissenschaft! Und preußische Toleranz: „Die Wissenschaft beginnt jetzt! Wer sich dem entgegenstellt, sorry, der bekommt ein Problem“ (droht ein Gründungsintendant).[6] Die Ethnologie hingegen? Mona Suhrbier (Museum Frankfurt) versteht als deren Essenz, „die Anstrengung, das, was nicht so sein will wie wir, dennoch anzuerkennen und zu mögen“[7] – was hat das mit Königin Luise zu tun?

Als Student saß ich einst im Büro meines Professors, eines begnadeten Universitätswissenschaftlers, der aber mit dem Museum, das er auch leitete, wenig anzufangen wusste. Hinter ihm an der Wand passte ein altperuanisches Gewebe aus seinem Museum genau hinter seinen Hinterkopf und unterstrich dessen Würde. Wie ich später, als ich in dem Museum arbeitete, erfuhr, hatte er das (ursprünglich größere) Textil zurechtschneiden lassen, bis es als Hintergrund zu seinem Kopf passte. Wird es auch den Gegenständen im Humboldt Forum so ergehen? Werden sie zurechtgeschnitten zur Gloriole hinter den Köpfen europäischer Professoren oder Intendanten?

Oder wird man doch einmal fragen, was für Geschichten von fremder Arbeit, fremden Geistern sie erzählen? Und auch von Raub, ja, aber nicht nur von den Raubleistungen Europas, sondern auch von Widerstand dagegen und vom Weiterleben anderer Kulturen?

 

Mark Münzel, geb. als Preuße in Potsdam 1943, Forschungen in Südamerika, 1973‑1989 Kustos am Museum für Völkerkunde in Frankfurt, seit 1989 Professor der Völkerkunde in Marburg, ab 2008 im Ruhestand. Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie.

 

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[1] Hissink, Karin/Hahn, Albert (1961). Die Tacana, I, Erzählungsgut. Stuttgart: Kohlhammer: 367, 85.

[2] Colette/Ravel, Maurice (1925). L‘Enfant et les sortilèges, fantaisie lyrique en 2 parties. Paris: Durand.

[3] Tucholsky, Kurt (1952). Zwischen Gestern und Morgen. Hamburg: Rowohlt: 15 f.

[4] Jensen, Ad. E. (1966). Die getötete Gottheit, Weltbild einer frühen Kultur. Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz: Kohlhammer: 156.

[5] aktuell 67.746 von ca. 500.000: http://www.smb-digital.de/eMuseumPlus?service=direct/1/ResultLightboxView/preselectFilterSection.$FilterGroupControl.$MpDirectLink&sp=10&sp=Scollection&sp=SfilterDefinition&sp=0&sp=3&sp=1&sp=Slightbox_3x4&sp=0&sp=Sdetail&sp=0&sp=F&sp=S10026&sp=S2 (gesehen 26.12.2017).

[6] MacGregor, Neil (2015 [2005]): Deutschland, Erinnerungen einer Nation. München: C.H. Beck: 294 und (zit. Horst Bredekamp) 297. MacGregor zit. in Süddeutsche Zeitung, 9.IV.2017, http://www.sueddeutsche.de/kultur/unter-termindruck-jede-geburt-tut-weh-1.3458197.

[7] Mail 21.12.17.

Kollateralschäden. Eine Polemik

19. Dezember 2017

von Karl-Heinz Kohl

„Europa ist eine Meisterin der Kritik. Wenn sie nicht kritisiert, so verschwindet sie. Vor der Nicht-Existenz fürchtet sie sich am meisten. Ich versuchte auch, sie zu kritisieren, weil sie es von mir verlangte, aber es gelang mir nicht. Ich konnte höchstens ihre Selbstkritik wiederholen.“[1] Diese Sätze der japanischen Schriftstellerin Yoko Tawada fielen mir ein, als ich einige der Blog-Beiträge las.  Yoko Tawada bezieht sie zwar auf Europa. Doch meint sie eigentlich Deutschland, das Land, in dem sie schon seit so vielen Jahren lebt.

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Blick ins Weltmuseum Das relaunchte Wiener Völkerkundemuseum gibt einen Vorgeschmack auf das Berliner Humboldt Forum

12. Dezember 2017

von Johanna Di Blasi

Vor kurzem ist nach dreijähriger Umbauphase das frühere Völkerkundemuseum in der Wiener Hofburg als Wiener Weltmuseum (WWM) neu eröffnet worden. Für die Objektpräsentation und Inhaltsgestaltung zeichnete dasselbe Szenografiebüro verantwortlich, Ralph Appelbaum Associates, das zuletzt das Canadian National Museum of Human Rights in Winnipeg und das von Barack Obama eröffnete National Museum of African American History and Culture in Washington DC designte – und das außerdem das Humboldt Forum in Berlin vorbereitet. Daher gilt Wien als Testlauf für das ebenfalls in einem Schloss untergebrachte Berliner Großprojekt. Im Wiener Weltmuseum lässt sich der state of  the art ethographisch-szenografischer Sammlungspräsentation im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts paradigmatisch studieren und auch die neue Rolle von Gegenwartskunst in historischen Museen. Auf Letztere legte ich bei meinem Rundgang besonderes Augenmerk.

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‘Cannibals’ with Chestpains: On Ethnographic Collection Histories

5. Dezember 2017

by Rainer F. Buschmann

A Pacific Presences Workshop meeting at Cambridge in July of this year revealed an estimated 250,000 Oceanic artifacts available in numerous German Völkerkunde museums. The astonishment behind this number is twofold: 1. Most of these objects were collected during a relatively short time (roughly between the years of 1870 to 1914). 2. Comparatively speaking German museums house more Oceanic artifacts than France (65,000), The Netherlands (80,000) and Russia (10,000) combined (Buschmann, forthcoming). Assuming that similar numbers also emerge from the rich African collections in the same museums, one can easily grasp the multiple controversies surrounding the Humboldt Forum and related Völkerkunde museums highlighted in this fascinating blog space. The focus of this blog – the novel rethinking of ethnographic collection – should, however, engage “newer” as well as “older” considerations.

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Overcoming Distances and Boundaries Some Reflections on Collaboratively Working with Ethnographic Materials in Germany and Australia

28. November 2017

by Martin Porr

The recent debates around the Humboldt Forum in Berlin have drawn attention to various challenges related to the many ethnographic collections in German museums and other institutions (e.g. archives, universities). The existence of the ethnographic collections, their contents and histories crystallise new questions about Europe’s present and past position in the world. How were these collections acquired? How have they shaped the view of other cultures and of Europe’s self-understanding? For the many specialists working in these institutions, these challenges are not new even if they have been differently articulated through time.

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Pompei in Afrika – oder die Rezentrierung der Welt

21. November 2017

von Paola Ivanov

Im Oktober 1894 eroberten die deutschen Kolonialtruppen Kalenga, die Festung und Residenz des Hehe-Herrschers Mkwawa, der sich im heutigen festländischen Tansania fast ein Jahrzehnt lang erfolgreich der deutschen Eroberung widersetzt hatte. Die Kolonialtruppen setzten die Stadt in Brand. Nach Friedrich von Schele, Gouverneur des damaligen Deutsch-Ostafrikas, starben bei der Eroberung von Kalenga mindestens 250 Menschen, vermutlich wesentlich mehr.

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Fragen über das Humboldt-Forum hinaus

14. November 2017

von Claus Deimel

Wenn Kultursenator Lederer (Berlin) bemerkt, dass „die Ethnologie gerade anfängt, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen“ (Viola König im Blogbeitrag vom 3.10.17), dann steht dies für uninformierte Meinungen auch anderer Politiker. Die Wissenschaft aber ist solchen Sprech auch in ihrer historischen Erfahrung gewohnt und nimmt falsche Darstellungen ihrer Geschichte mehr oder weniger gelassen hin, denn sie weiß, dass die Politik mit Abweichungen von der für koloniales Denken und Verhalten zugerüsteten „allgemeinen Meinung“ selten flexibel umgehen kann.

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Zwischen den Stühlen Der Fachverband der Ethnolog*innen diskutiert über das Humboldt Forum

7. November 2017

von Jonas Bens

„Ethnologie im Humboldt Forum: Quo vadis Berlin-Mitte – und mit wem?“ war der Titel einer Podiumsdiskussion, die als einer der Höhepunkte der diesjährigen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie stattfand. Moderiert durch den Journalisten Thomas Schmidt von der Wochenzeitung Die Zeit beteiligten sich vier Wissenschaftler*innen fachöffentlichkeitswirksam an der wieder hitziger geführten Debatte über das Humboldt-Forum: Albert Gouaffo (Professor für Germanistik in Dschang in Kamerun), Viola König (Direktorin des Ethnologischen Museums Berlin), Carola Lentz (Professorin für Ethnologie in Mainz) und Wolfgang Schäffner (Professor für Wissens- und Kulturgeschichte an der HU Berlin).

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Von blinden Flecken und Sternchen im Untertitel Wie auf die Ausstellung „Bremen und die Kunst in der Kolonialzeit“ reagiert wird

31. Oktober 2017

von Cordula Weißköppel

Blinde Flecken sind aus der Individualpsychologie bekannt, wenn bestimmte, emotional unangenehme Sachverhalte vom subjektiven Bewusstsein ausgeblendet werden, so dass sie einer bewussten Bearbeitung nicht mehr zugänglich sind. In Museen hat man sie eher selten diagnostiziert, handelt es sich doch um jene Institutionen, die das Schöne und Wichtige einer Gesellschaft ausstellen, und auch bislang Verborgenes in besonderes Licht rücken können. Umso überraschender, dass Anfang August die Bremer Kunsthalle ihr Kupferstichkabinett öffnete, um die Sonderausstellung „Bremen und die Kunst in der Kolonialzeit“ zu präsentieren und dafür als Leitmotiv „Der blinde Fleck“ gewählt wurde. War nicht in der kolonialen Epoche Europas eher von „weißen Flecken“ auf der Landkarte die Rede?

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